Das etwas andere Indien

Im Manas-Nationalpark, an der Grenze zu Bhutan, waren wir ganz im Gegensatz zum Kazirangapark fast die einzigen Touristen. Wir mieteten einen Jeep für eine morgendliche Safari. Dass diese ganz besonders werden sollte ahnten wir schon, als neben dem Fahrer und den Guide auch ein Nationalparkhüter mit Gewehr dabei war. Sollten wir das Glück haben einen Tiger in freier Wildbahn zu sehen? Ein aufregender Ausflug stand uns bevor, der uns noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Gleich zu Beginn konnten wir ein Panzernashorn sehen, das nur wenige Meter vom Auto graste. Es war kalt an diesen Morgen. Dick eingepackt kämpften wir uns auf teilweise sehr engen Pfaden mit dem Jeep durch das Unterholz. Mit etwas Glück konnte man hier auch wilde Elefanten sehen. Im Reiseführer wurde das aber eher als unwahrscheinlich beschrieben. Von einem Aussichtsturm sahen wir in der Ferne Wasserbüffel grasen. Die Berge des Königreichs Bhutan lagen majestätisch vor uns. Es war ein so friedlicher morgen. Wir hatten den Park für uns allein. Nur ab und zu kreuzte ein Wildhüter auf seinen Elefanten den Weg. Wir fuhren immer tiefer in den Park. Immer näher an Bhutan heran. Plötzlich nahmen wir einen nur schwer als Weg identifizierbaren Pfad durch dichtes Gras. Der Jeep fuhr nun sehr langsam. Der Wildhüter im Auto entsicherte sein Gewehr. Es roch nach Tier. Unser Guide flüsterte: Wir sind im Revier der Tiger. Vor einigen Tagen haben wir hier drei Tiger gesehen. Mein Herz schlug höher. Mensch war das aufregend. Ich konnte die Anwesenheit des Tigers deutlich spüren. Es roch wie im Zoo. Der Atem stand still. Nun zeig dich endlich!

Wege durch den Manas-Park
Wege durch den Manas-Park
Die Berge stehen schon in Bhutan
Die Berge stehen schon in Bhutan

Der Tiger zeigte sich vorerst nicht. Etwas enttäuscht fuhren wir weiter. Wenig später sahen wir ein sehr seltenes Himalaya-Eichhörnchen, Affen und Rehe. Naja wenigstens was. Dann überquerten wir einen halb ausgetrockneten Flusslauf als der Wagen auf einmal überraschend zum stehen kam. „Da vorne! Tiger!“ schrie der Guide. Etwa hundert Meter von uns im Flussbett standen drei Tiger! Ich werd verrückt. Aufgeregt kramte ich nach meiner Kamera als der Guide schließlich bemerkte „oh nein es sind nur Wildhunde. Aber auch sehr selten“. Der Tiger blieb uns verborgen.

Das Tibet-Eichhörnchen
Das Tibet-Eichhörnchen
Die vermeidlichen Tiger - Wildhunde
Die vermeidlichen Tiger – Wildhunde

Am Grenzfluss gleich beim Grenzübergang zu Bhutan gab es in idyllischer Atmosphäre Frühstück. Nun ging es wieder zurück. Noch einmal bogen wir auf einen Seitenpfad ab um Wildtiere zu suchen. Eine gute Entscheidung. Während der Rest der Fahrzeugbesatzung sich schon damit abgefunden hatte, nun bald die Safari zu beenden, machte ich im Wald eine Entdeckung. Ein großes graues Tier! Nein zwei! Nein drei! Es waren Wildelefanten. Durch das abrupte Bremsen des Jeeps zogen sie sich etwas zurück. Nur schwer konnten wir sie erkennen. Aus der Tiefe des Waldes drangen Elefantenrufe. „Das muss eine Elefantenherde sein. Lasst uns etwas weiter fahren, vielleicht gibt es da vorn noch mehr“ schlug der Guide vor. Und er hatte recht. Gleich neben dem Weg, vielleicht 50 Meter von uns entfernt bedienten sich vier Elefanten am reichen Futterangebot des Urwaldes. Mit gewaltiger Kraft rissen sie die mächtigen Blätter der Bananenbäume aus. Wir konnten Wildelefanten hier sehen! Was für ein Glück! Töröööö, Törööö machte es auf einmal auf der anderen Seite des Weges. „Die Elefanten rufen nach sich. Die werden wohl jeden Augenblick den Weg überqueren“ stellte der Guide fest. Der Wildhüter entsicherte wieder sein Gewehr. „Elefanten mit Jungtieren können sehr gefährlich werden. Wenn sie angreifen müssen wir schnell hier weg oder uns im Notfall verteidigen“. Uns blieb der Atem stehen. Wie aufregend! Und dann geschah es! Ein Jungelefant kam aus dem Busch, entdeckte uns und rannte daraufhin schnell über den Weg. Dicht gefolgt von der Mutter. Und das ganze keine 50 Meter vor uns! Das absolute Highlight! Wir waren unglaublich glücklich, dies erlebt zu haben!

Da ist doch was im Busch!
Da ist doch was im Busch!
Ein Babyelefant
Ein Babyelefant
Gefolgt von der Mutter
Gefolgt von der Mutter
Zum Schluss sogar noch ein Panzernashorn
Zum Schluss sogar noch ein Panzernashorn
Ende eines schönen Tages
Ende eines schönen Tages

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Reiseliteratur

Mathias Verfasst von:

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