Das etwas andere Indien

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Geschafft! Die indische Grenze ist überquert! Erste Stationen nach einer überquerten Grenze sind die Migration und der Zoll. In Indien ist, anders wie bei anderen Ländern, zuerst der Zoll dran. Die ganzen Grenzformalitäten sind überhaupt nicht meins. Wenn ich auf der gesamten Reise fast immer von einer Lockerheit geführt bin, die ich selten daheim am Tage lege, so bin ich doch an den Grenzen immer extrem nervös. Da hilft nur Schocktherapie! Nach 15 Grenzen mit Papierkram geh ich wesentlich entspannter die Sache an. Dennoch: Man weiß nie wie lange der ganze Spaß dauert und was einen erwartet…

So sitz ich nervös vor dem Zöllner, der mein Zolldokument (Carnet de Passages) ausfüllt. Neben mir füllt meine Mutter in Seelenruhe ein Sodoku aus einer indischen Zeitung aus. Wie macht sie das bloß? Vielleicht strahl ich ja in Wirklichkeit Ruhe und Sicherheit aus? Auf jeden Fall beruhigt mich die Szenerie. Ich knippse unauffällig ein Foto. Innerlich macht mein Herz Luftsprünge! Ich habe es geschafft! So unglaublich. Pafff – Pafff – Pafff. Drei Stempel ins Zolldokument. Wir sind fertig. Und können weiter.

Mutti löst das Sodoku
Mutti löst das Sodoku

Die Migration, als der Ort wo Pässe und Visa überprüft werden, ist richtig versteckt. Dabei ist es sehr wichtig den Einreisestempel abzuholen. Sonst geht’s nicht oder nur mit einigen Strafscheinen aus dem Land. Aber auch dieser Posten wird schnell abgehakt. Jetzt kann Indien erforscht werden.

Was hatte ich für Erwartungen an dieses Land! Ich klebte bei allen Indienerzählungen meiner Freunden an den Lippen. Ich las viele Bücher. Hier wollte ich eine ganze Weile bleiben. Doch schon die ersten Momente nach unserer Einreise drückten mein Hochgefühl wie eine Kaffeepresse nach unten. Übrig blieb ein erstes Indienbild, gefiltert von all den vielen Erwartungen.

Zunächst – na klar – war es der viele Müll der uns auffiel. Unmittelbar nach dem Grenzfluss lief ein verstörtes ca. 14-jähriges Mädchen mit heruntergelassener Hose auf einer Müllkippe seitlich der Straße entlang. Was ist da passiert? Gleich hatte ich die Geschichten der Vergewaltigungen in Indien im Kopf. Ich schob die Gedanken schnell zu Seite. Nein, das war sicherlich etwas anderes. Dann der Verkehr. Klar, mir wurde sehr oft erzählt, dass in Indien der Verkehr chaotisch ist. Ein Aktiver im Reiseforum meinte sogar, es ist wahrscheinlicher durch Afghanistan mit unversehrtem Auto herauszukommen als aus Indien. Die ersten Kilometer bekräftigten diese These. Auf den engen Bergstraßen wurden die Kurven so geschnitten, dass ich mich manchmal fragte, was wohl passiert wäre wenn ich nicht voll in die Eisen gegangen wäre. Als wir kurz vor Einbruch der Dunkelheit Imphal, die Hauptstadt des Bundesstaats Manipur, erreichten, war das Verkehrschaos perfekt. Hupe im Dauereinsatz. Riskante Überholmanöver. Ochsenkarren und Menschen ohne Licht. Sehr schlechte Straßen. Wir sollte ich hier tausende Kilometer zurücklegen?

Hatte ich schon die schlechten Straßen erwähnt? Die Straßen waren gelöchert wie Schweizer Käse. Bei manchen Schlaglöchern konnte man fast bis auf das andere Ende der Welt durchschauen. Und die tiefsten waren dazu noch ganz gemein in der Kurve bei Gegenverkehr. Bums. Das tat weh.

Das Schild ist eher ein Witz bei den Straßenbedingungen
Das Schild ist eher ein Witz bei den Straßenbedingungen

Zuletzt ist uns die extrem hohe Militärpräsenz aufgefallen. Die Staat Manipur ist immer wieder in extremen Unruhen verwickelt. Oftmals enden diese gewalttätig und tödlich. Das Militär soll beruhigen und beunruhigt mich dabei.

Die Stadt Imphal machte keinen schönen Eindruck. Ich fühlte mich unsicher. Viele düstere Ecken. Bei der Einfahrt ist uns aufgefallen, dass alle Tankstellen geschlossen waren. Wie sich später rausstellte ein Embargo gegen den Staat Manipur. In der Stadt sind lange Schlangen vor den Geldautomaten zu sehen. Vor einigen Tagen wurden 5000 (ca. 70€) und 10.000 (ca. 140€) Rupien-Scheine für ungültig erklärt, um die Korruption einzudämmen. An Geldautomaten konnten maximal 2000 Rupien abgehoben werden. Für uns ein Problem, wie sich einige Tage später herausstellte.

Lange Schlangen vor dem Geldautomaten
Lange Schlangen vor dem Geldautomaten
So werden hier Autos repariert. Sieht etwas riskant aus oder?
So werden hier Autos repariert. Sieht etwas riskant aus oder?

Wir übernachteten in einem überteuerten und dazu noch schäbigen Hotel. Wenigsten wurde die Kreditkarte akzeptiert, denn wir hatten keine einzige Rupie in der Tasche. Nachts wälzte ich mich im Bett. War es eine gute Idee nach Indien zu fahren?

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Mathias Verfasst von:

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