Myanmar – Durch das Land der Tausend Goldenen Pagoden nach Indien

Bis zum Grenzübergang lagen nochmal 500 Kilometer, die dank Autobahn in windeseile zurückgelegt werden konnten. Ab Myanmar sollte es erstmal für 10 Tage mit der absoluten Reisefreiheit zu Ende sein, denn neben China ist auch Myanmar ein Land, für das ein Guide notwendig ist, sofern man es mit dem eigenen Auto bereisen möchte. Und es war nicht nur der Guide. Wir mussten eine komplette Reise buchen, wo jeden Tag genau festgelegt war, wo wir übernachten sollten. Dies wurde mit dem Amt für Tourismus abgestimmt und eine Abweichung vom Plan wäre kompliziert und hätte neben dem üppigen Preis der Reise noch zusätzliche Kosten verursacht. Nach der neusten Regelung musste sogar noch ein Officer der Tourismusbehörde mitfahren, der zum einen die Grenzformalitäten erledigte und zum anderen täglich der Dienststelle Bericht erstatte. Folglich hatte er auch bei uns einen schweren Stand. Uns – das war neben meiner Mutter und mir noch der Schweizer Pascal, der mit seinem Ural-Motorrad mit Beiwagen seit 2 ½ Jahren auf Weltreise ist und das Leben als Hippie genießt. Neben unseren, wie sich im Laufe der Reise zeigte, ausgezeichneten Guide Myn Myn vervollständigte der Fahrer des Begleitautos die Reisegruppe. Seine Zähne waren wie die von vielen Birmanen in einen unfassbar schlechten Zustand. Ich erschrak regelrecht bei seinem ersten Lachen. Dies war die Folge von Betel. Einer Kautabak-Mischung die fast jeder Birmane in seinem Mund für längere Zeit aufbewahrte, schließlich dann recht unappetitlich ausspuckte und welcher die Zähne Blutrot färbte.

Pascal - oder wie er sich nennt: The Legend
Pascal – oder wie er sich nennt: The Legend

Und so startete unsere Reise durch das siebzehnte Land auf meiner Fahrt nach Indien – Myanmar. Oder Burma? Oder Birma? Offiziell nennt sich das Land „Republik der Union von Myanmar“. Der Name ist allerding nicht unumstritten,  da der Name durch die Militärregierung eingeführt wurde. Die Britten führten in ihrer Kolonialzeit Burma als Namen ein, den sie von der Volksgruppe der Birmanen ableiteten. Birma ist die deutsche Bezeichnung von Myanmar. Also aufgepasst: Im Deutschen ist sowohl Myanmar als auch Birma korrekt, im Englischen Myanmar oder Burma. Klar oder?

Ochsenkarren - Weit verbreitet auf dem Land
Ochsenkarren – Weit verbreitet auf dem Land
Bauern bei der Reisernte - Das Leben auf dem Land ist hart
Bauern bei der Reisernte – Das Leben auf dem Land ist hart

Auf den ersten Kilometern durch das neue Land fielen und schnell die vielen Pagoden auf, die wie goldene spitze Pyramiden aus dem Wald ragten. Myanmar wird auch das „Land der tausenden Pagoden“ genannt. Denn die Pagoden erfüllen einen recht praktischen Zweck. Spendet ein edler Zeitgenosse Geld für eine Pagode, so werden ihn Sünden aus dem Leben erlassen. Werden durch dem selbigen sogar mehrere goldene Pagoden erbaut, so ist ihm das Nirwana sicher, egal wie das Geld verdient oder das sündige Leben gelebt wurde.

Auffallend: Die vielen Pagoden im Land
Auffallend: Die vielen Pagoden im Land
Buddhismus ist die Staatsreligon in Myanmar
Buddhismus ist die Staatsreligon in Myanmar

Golden war auch der eine Felsen, der hoch in den Bergen auf einer Klippe stand. Laut Legende wird dieser nur durch ein Haar Buddhas gehalten, das unter dem Goldenen Felsen lag. Somit stellte dieser Ort auch den heiligsten Wahlfahrtsort der Birmanen dar. Mit LKWs werden die Pilger auf den Berg gekarrt, wo sie ein Blättchen Blattgold auf den Felsen kleben. Aus unseren Augen ähnelte das gesamte Geschehen eher einem Volksfest. Auch wir waren Bestandteil der Attraktion und mussten oft, einmal sogar mit der Polizei, für ein Erinnerungsfoto posieren. Auch wenn wir wegen der extrem riskanten Fahrmanöver des LKW-Fahrers nicht dran glaubten den Ausflug zu überleben, hat sich dieser jedoch sehr gelohnt. Im Morgengrauen lag der Morgennebel wie eine Samtdecke über den Wäldern und reichte bis zu den Bergen, die sich an ihrem Rande empor streckten. Hunderte Gläubige versuchten auf einem schmalen Grat den Felsen zu erreichen und zu berühren. Von sicherer Entfernung sah es so aus, als versuchten sie den goldenen Felsen den Hang hinab zu stoßen.

Der Goldene Felsen
Der Goldene Felsen
Der Blick in das Umland vom Goldenen Felsen
Der Blick in das Umland vom Goldenen Felsen
Auch für Mönche ist der Ort ein beliebtes Ziel
Auch für Mönche ist der Ort ein beliebtes Ziel

Bei dem ganzen Gold dachten wir uns sehr oft, dass das Geld auch besser angelegt werden könnte. Denn das an Rohstoffen so reiche Land (Erdgas, Mineralien, Edelsteine) ist in Wirklichkeit sehr arm. Ende des zweiten Weltkrieges waren viele Fabrikanlagen und 70% der Infrastruktur zerstört. Myanmar wurde 1942 von den Japanern besetzt. Alliierte Truppen unter der Führung der Britten konnten aber zum Ende des zweiten Weltkriegs das Land zurückerobern. Japan verlor in Myanmar mit 190.000 gefallenen Soldaten drei Fünftel ihrer Armee. Im Zuge des Birmanischen Weges in den Sozialismus wurden unter Führung des Generales Ne Win alle klein- und mittelständige Unternehmen verstaatlicht. In den Folgejahren wirtschafte das Militär hauptsächlich in die eigene Tasche. Korruption war an der Tagesordnung und zweimal wurden bestimmte Banknoten über Nacht für ungültig erklärt, sodass millionen Menschen um ihre Ersparnisse gebracht wurden. Nach der politischen Öffnung 2010 unter Führung der Oppositionspolitikerin Aung San Suu Kyi wurden viele der Sanktionen gegen Myanmar fallen gelassen und das Land erholte sich langsam. In den profitabelsten Bereichen machen jedoch militärnahe Einrichtungen und Unternehmen den größten Gewinn. Bei der einfachen Bevölkerung kommt dabei wenig an: Mehr als ein Viertel der Menschen lebt unter der Armutsgrenze.

Auf dem Lande kommt wenig vom Wirtschaftswachstum an
Auf dem Lande kommt wenig vom Wirtschaftswachstum an

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Reiseliteratur

Mathias Verfasst von:

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