Abseits großer Straßen Indiens – Das Leben auf dem Land

Während unseres Spazierganges zeigt er mir sein Dorf. Ich sehe auffallend viele Kinder, doch gerade sind auch Feiertage und die Schule ist geschlossen. Auf die Schule ist Shyewa nicht gut zu sprechen. Die Kinder können schlecht schreiben und lesen. Überhaupt hat er ein Problem mit der Regierung und den Politikern. „Keiner hilft uns im Dorf. Nicht nur die Schule ist schlecht. Sehr oft haben wir auch keinen Strom. Gerade sind Wahlen, daher haben wir mal Strom. Aber sobald die Wahlen vorbei sind wird es abends wieder sehr dunkel sein“. Nur 100 Meter von uns verlaufen die Hochspannungsstromleitungen. Das Summen ist allgegenwärtig, bei den Stromausfällen fast hämisch.

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Die vielen Dorfkinder haben heute Schulfrei
Die Erzeugnisse des Feldes werden gleich verarbeitet
Die Erzeugnisse des Feldes werden gleich verarbeitet

„Mein Bruder wohnt direkt nebenan“ erklärt mir Shyewa und pflückt eine Guave vom Baum neben dem Haus. Inzwischen haben wir es uns wieder vor seinem Domizil auf zwei Plastikstühlen gemütlich gemacht. Seine Frau bringt uns leckeren Masala-Chai, einen typisch indischen Gewürztee, und Gebäck. „Doch seit wir in der Stadt leben, wohnt mein Bruder mit seiner Frau und den beiden Söhnen in unserem Haus und passt darauf aus. Ihr eigentliches Haus dient gerade mehr als Lager“. Ein Mann zieht auf einem Karren zerkleinertes Holz an uns vorbei. Er grüßt freundlich den Hausherrn und unterhält sich kurz mit ihm. „Das Leben auf dem Land ist hart. Es gibt immer was zu tun. Gerade bewässern mein Bruder und sein Sohn das Weizenfeld. Auf meine Wasserpumpe bin ich sehr stolz. Komm ich zeig sie dir“. Zusammen stehen wir vor einen 25 Meter tiefen Brunnen. Die sanft summende elektrische Wasserpumpe befördert das Wasser ans Tageslicht. Über einen undichten Schlauch geht es dann direkt aufs Feld. „Das Wasser ist sehr gut. Wir trinken es täglich.“ Auch ich probiere an diesem Tag das Wasser. Und ich habe keine Probleme.

Die Ruhe auf dem Land
Die Ruhe auf dem Land

Auf dem Dach werden uns wenig später von der Frau seines Bruders Reis mit Dahl und Chapati gereicht. Dahl ist eine Art Eintopf mit verschieden Gemüse. Besteck gibt es nicht. Das Chapati, ein Teigfladen, wird im Dahl aufgeweicht. Der Rest von Dahl wird über den Reis geschüttet und mit der rechten Hand wird dann ein kleiner Mundgerechter Kloß aus der Masse geformt. Mir gelingt es noch nicht so recht. Shyewa bemerkt dass und lässt mir von seiner Schwägerin einen Löffel bringen. Doch ich versuche es wenigstens.

Shyewa mit einem Nachbarn
Shyewa mit einem Nachbarn

Hier hat alles seine feste Ordnung. Die Frauen verrichten die Arbeit in der Küche, servieren das Essen, räumen ab und waschen auf. Der Mann verrichtet die Feldarbeit, lässt sich ohne Danke das Essen servieren, rülpst und dreht sich nach der Mahlzeit zur Seite und schläft bis es kühl genug ist weiter auf dem Felde die notwendige Arbeit zu verrichten. Ich fühle mich etwas schlecht und würde zu gern helfen. Doch ich bin der Gast. Ich darf hier nur eins: Faul sein.

Die Kinder haben ihren Spaß
Die Kinder haben ihren Spaß

Auch mich überfällt die Mittagsmüdigkeit. Sanft schlummere ich in der Sonne ein. Sheywa teilt sich seine Liege mit seiner Mutter, die schon 87 Jahre alt ist, jedoch immer noch den täglichen Arbeiten auf dem Land nachkommt. Nach einem kurzen Schläfchen kann ich es in der Sonne nicht mehr aushalten. Ich verziehe mich auf die Rückbank meines Autos und beginne zu lesen. Doch schon nach wenigen Minuten steht der Nachbarsjunge in der Tür und fordert mich auf mit zu seinem Haus zu kommen. Ich habe keine Lust und möchte lieber lesen, was der 16-jährige nicht verstehen will. Er sitzt halb in der Tür, fasst meine Beine ständig an, stellt mir hunderte Fragen und kramt im Fach der Rückenlehne des Vordersitzes. Es ist eine Eigenart die mir schon bei einigen jungen Indern aufgefallen ist. Es fällt ihnen schwer den Willen der anderen zu akzeptieren. In einer anderen Stadt wollte ein Junge nicht das ich weitergehe. Ich sollte hier bleiben und mit ihm plaudern. Ich mag sowas nicht. Es nimmt mir die Freiheit zu tun und zu lassen was ich mag. So jage ich schließlich auch den Nachbarsjungen raus und vertröste ihn auf später.

Der Nachbarsjunge
Der Nachbarsjunge

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Reiseliteratur

Mathias Verfasst von:

Ein Kommentar

  1. 13. Februar 2017
    Antworten

    I hope that by the end of your time in India you can eat properly with your hands 😉

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