Ecuador – Magische Landschaften der Anden

Ecuador. Hier werden wir den Äquator überqueren. Wir werden den Berg sehen, dessen Gipfel am weitesten vom Erdmittelpunkt entfernt ist. Wir werden über die mystischen Andenvölker staunen. Und wir werden eines der artenreichsten Archipele der Welt besuchen – die Galapagos Inseln. Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg. Aber das ist ja auch irgendwie das Motto unserer Reisen.

Weite Bergwelt

Doch manchmal wollen wir einfach auch nur ankommen. So wie am ersten Tag in Ecuador. Da wir uns noch einige Sehenswürdigkeiten in Kolumbien angeschaut haben, kommen wir erst recht spät an der Grenze zu Ecuador an. Es ist 14 Uhr und wir haben noch etwas mehr als 2 Stunden Fahrt vor uns. Wie lang wird uns wohl diese Grenze aufhalten? Für die Ausreise aus Kolumbien brauchen wir eine Stunde. Genervt stehen wir in der Ausreiseschlange. In einem abgegrenzten Bereich warten circa 50 Flüchtlinge aus Venezuela auf die Einreise. Verzweifelt bricht ein Mann vor einem Beamten zusammen. „Wir warten schon seit 2 Tagen und nichts passiert. Wie lange wollt ihr uns noch hinhalten?“ Irgendwie komme ich mir da schlecht vor, dass ich mich schon über eine Stunde Wartezeit aufrege. Mit dem Ausreisestempel im Pass und dem geschlossenen Zolldokument für die Fahrzeugausfuhr geht es über den Fluss nach Ecuador. Noch liegen wir gut in der Zeit, doch dann geht alles schief. Zunächst müssen wir online ein Gesundheitsformular ausfüllen. Dass wollten wir vorher schon erledigen, doch das Feld „Flugnummer“ war ein Pflichtfeld und hat keine Fantasieeingaben zugelassen. Die genervten Mitarbeiter an der Grenze lassen uns wissen, dass wir dort viermal die Null eintragen sollen. Auf so eine Idee muss man erst einmal kommen. Dann ab zum Migrationsschalter. Hier erlebe ich eine große Überraschung und in meiner langen Reisezeit etwas komplett Neues. Als ich in meinen Pass den Einreisestempel überprüfe, fällt mir auf, dass nicht vermerkt ist, wie lange ich im Land bleiben darf. Diese Information ist aber für das Zolldokument für die Fahrzeugeinfuhr essentiell. Auf meine Nachfrage nimmt die Beamtin meinen Pass wieder zurück und diskutiert lange mit ihrem Kollegen. Dann fragt sie mich, ob ich vor 10 Jahren schon mal in Ecuador war, was ich bestätige. Und hier liegt das Problem. „In unserem System sind sie bei der letzten Einreise als Holländer registriert. Jetzt haben sie einen deutschen Pass. Das geht nicht.“ Wollt ihr mich eigentlich veralbern?? „Geben sie uns 30 Minuten, wir versuchen das zu klären. Oder haben sie noch ihren alten Pass dabei?“ Ich komm mir vor bei der versteckten Kamera. Natürlich habe ich meinen 10 Jahren alten Pass nicht dabei. Ich habe auch kein Foto davon. Und jetzt noch eine halbe Stunde zu warten kann ich überhaupt nicht gebrauchen. Nach reichlich Diskussion schreibt mir die Beamtin 90 Tage Aufenthalt in den Pass, jedoch unter der Bedingung, dass Phia ihren Pass als Pfand hinterlegt, bis das „Problem“ behoben ist. So können wir mit meinem Pass zum Zoll für die Fahrzeugeinfuhr. Dort warten wir 15 Minuten bis wir dran sind, dann nimmt der Mitarbeiter meine Dokumente entgegen und setzt sich zu seiner Kollegin an den Rechner. Jetzt heißt es warten. Nach einer Stunde zähen Wartens kommt Bewegung ins Spiel. Die Dame am Rechner steht auf und der Kollege rutscht an den PC. Wir können es nicht glauben. Der beginnt erst jetzt mit dem Papierkram. Dann müssen wir eine E-Mailadresse hinterlegen, an die ein Bestätigungscode geschickt wird. Aber unsere GMX-Adressen werden nicht akzeptiert. Da müssen wir unseren Kumpel und Mitreisenden Bü zur Hilfe ziehen, der geduldig im Auto wartet und liest. Mit seiner G-Mail-Adresse ist es kein Problem. Inzwischen hat sich auch das „Pass-Problem“ geklärt. Nach 3,5 Stunden dürfen wir endlich die Grenze verlassen – mit einigen grauen Haaren mehr. Das bedeutet auch, dass wir zwei Stunden durch die Dunkelheit fahren müssen – etwas was ich immer vermeiden möchte. Dazu hat es angefangen ordentlich zu regnen. Was für eine Kombination.

Wir zwei bis zum Ende der Welt

Dafür werden wir sehr herzlich empfangen und es gibt bei unserer Ankunft auf der Finca Sommerwind gleich ein kaltes Bier aus Deutschland. Hans, der Besitzer, hatte vor 10 Jahren seinen Sohn in Ecuador besucht, der hier sein soziales Jahr absolviert hatte. Dabei hat er sich in das Land verliebt und ist einfach dageblieben. Er kaufte sich ein Grundstück am Stadtrand und eröffnete ein Restaurant mit typisch deutscher Küche – ein echter Erfolg. Eines Tages steht ein Weltreisender aus Deutschland mit seinem Auto vor der Tür und fragt, ob er auf dem Parkplatz übernachten darf. Hans erfährt, dass es viele solcher Reisenden gibt, die sich selber „Overlander“ nennen. Daraufhin baut er sein Grundstück zum Campingplatz aus. Es gibt wahrscheinlich keinen Overlander, der durch Südamerika gereist ist, der nicht auf dem Campingplatz von Hans übernachtet hat. Und auch wir fühlen uns hier wohl. Wandermöglichkeiten, eine putzige Kleinstadt, aber vor allem das leckere deutsche Essen und das deutsche Bier laden zum Verweilen ein. Hier hätte man es noch länger aushalten können.

Gutes deutsches Essen..und Bier..
Bei Hans ums Eck: Eine schöne Lagune
Direkt neben dem Camp verläuft eine Rennstrecke
Mit Bü geht’s auf eine kleine Wanderung
Selfie mit Hans

Doch am nächsten Tag soll unser Kumpel Christoph in Quito ankommen. Also machen wir uns auf den Weg. Unterwegs flanieren wir über den Handwerkermarkt von Otovalo und decken uns fleißig mit Mitbringseln ein. Und wir überqueren zum ersten Mal mit unserem Auto aus Dresden den Äquator. Was für ein Gefühl!

Markttreiben
Gute Laune auf dem Markt
Hühnerfuss?
Der Paji überquert den Äquator!

Christoph kommt pünktlich in Quito an. Jetzt sind wir also zu viert. Als erstes geht es nochmal zum Äquator. Das Land hat bei Quito ein großes Denkmal auf der Äquatorlinie errichten lassen und darum einen kleinen Vergnügungspark errichtet. Bloß blöd, dass sich die Baumeister verrechnet haben, und sich das Denkmal 80 Meter neben der Äquatorlinie befindet. Genau auf der Linie gibt es ein kleines Museum, wo wir an Experimenten zur Corioliskraft teilnehmen. Die Ergebnisse sind verblüffend, inwieweit da aber geschummelt wurde wissen wir nicht. Wir nehmen es so hin und lassen uns verzaubern.

Das Äquator-Denkmal
Am Äquator
Christoph balanciert ein Ei auf einen Nagel
Hunger auf Meerschweinchen?
Erstes Selfie zu viert
Das war mal ein Vulkan – heute genutzt von der Landwirtschaft

In Quito halten wir uns nur einen Tag auf. Für manche ist die Kolonialstadt eine der schönsten von Südamerika. Wir sehnen uns aber mehr nach Natur als nach Stadtchaos. Zudem trüben die erneut aufgetretenen Startprobleme unseres Reisemobils die Stimmung. Die Batterie scheint den Geist aufzugeben. Nur mit unserer handlichen Starthilfe-Batterie springt der Pajero an. Es ist aber Sonntag und alle Läden sind dicht. Also wird das Problem vertagt. Wir wollen weiter, zum bekanntesten Berg des Landes – dem Cotopaxi.

Quito
Spaziergang durch Quito
Kathedrale von Quito
Hier gab es Bier in der Kathedrale zu kaufen – und zum trinken
Marktleben
Frittierte Schweineköpfe
Auf dem Markt gibt’s die Tier zu kaufen – aber nicht als Haustier…
Tradition trifft Moderne

Vom Berg selber sehen wir zunächst nur wenig. Als wir unser Lager auf 3900 Meter Höhe augschlagen, liegen dichte Wolken um den 5897m hohen Gipfel. Der Cotopaxi ist der zweihöchste Berg Ecuadors und einer der höchsten noch aktiven Vulkane der Welt. Nur kurz für 5 Minuten, ziehen zum Nachmittag die Wolken auf und geben einen Blick zum Gipfel preis. Dann ist der schöne Vulkan wieder verschwunden und beschert uns an seiner Flanke eine sehr kalte Nacht. Eisiger Wind fegt um unser Lager und selbst das große Lagerfeuer lässt uns nicht wirklich auftauen. Wir stellen den Wecker auf 6 Uhr früh, denn da soll der Berg meist wolkenfrei sein. Aber nichts ist. Wir stecken selber in den Wolken und können kaum 30 Meter weit sehen. Wir finden uns schon damit ab, wenigstens für 5 Minuten den Gipfel gesehen zu haben, da klart es völlig überraschend auf. Wahnsinn! Was für ein wunderschöner Vulkan! Spontan brechen wir zu einer Wanderung auf und sehen sogar in der Ferne den höchsten Berg des Landes – den Chimborazo. Die Erdoberfläche unseres Planeten ist keine perfekte Kugel. Sie ist an den Polen abgeflacht und am Äquator gewölbt. So gesehen ist der Chimborazo der Berg, der am weitesten vom Erdmittelpunkt entfernt ist. Schon Alexander von Humbold hatte ihn bei seinem Versuch den Berg zu besteigen als höchsten Berg der Erde bezeichnet. Ganz unrecht hatte er also nicht.

Unser Camp am Cotopaxi
Camp unter Bäumen
Vorbereitung für eine kalte Nacht
Wir machen das Beste aus der kalten Nacht
Noch halb verdeckt
Der Cotopaxi mit Umland
Wir sind glücklich
Umland vom Cotopaxi
Alpaka vorm Cotopaxi
Langsam verziehen sich die Wolken
Wunderschöne Natur
Spitze vom Cotopaxi
Zwei Wandersleut
Der Chimborazo

Obwohl wir reichlich Kilometer am Vortag gefahren sind und die Lichtmaschine die Batterie voll aufgeladen hat, geht nach unserer Wanderung gar nichts mehr. Die Batterie ist tot. Mit unserem Notstarter bekommen wir den Pajero aber nochmal zum Leben erweckt. In der nächsten größeren Stadt werden wir aber schnell fündig, geben die tote Batterie in Zahlung und bekommen eine neue Batterie der Marke „Kaiser“ eingebaut. Für die Dresdner Roland Kaiser Fans natürlich ein Zeichen bester Qualität. Am Lagerfeuer in der Nacht zuvor hatten wir noch seine Lieder besungen. Jetzt gibt er unserem Pajero neue Kraft. Die Zeichen stehen gut. Mit neuer Batterie fühlt sich der Paji mächtig wohl. Wir können unsere Reise also fortsetzen. Und die soll uns mal wieder ins Staunen versetzen.

Batterie-Wechsel

Wir fahren durch eine der schönsten Landschaften des Landes. In den schillerndsten Farben erheben sich die fruchtbaren Hügel der Anden vor uns. Wir fühlen uns wie in einer anderen Welt. Immer wieder müssen wir für Fotos anhalten und kommen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus.

Überall Vulkane, hier bei Banos
Schafe müssen gehütet werden
Die tolle Landschaft von Ecuador
Hola!
Menschen in ihrer Tracht
Weite Bergwelt

Was folgt ist eine der schönsten Wanderungen, die wir jemals erlebt haben. Es geht einmal um die Laguna Quilatoa herum, wobei wir die gesamte Zeit auf dem Rande des Kraters wandern. Obwohl das Wetter nicht perfekt ist, bieten sich jede Minute neue spektakuläre Aussichten. Wir sind alle einfach nur begeistert.

Vor allem bei Sonne super schön
Die Wandertruppe
So schöne Farben
Der alte Mann und die Lagune
Auch von der anderen Seite der Lagune war es schön
Gratwanderung
Was für eine Naturschönheit

Auf unserer weiteren Reise durch das Land steuern wir die Kleinstadt Banos an, die für ihre heißen Quellen berühmt ist. Da uns eine dicke Regenwolke umgibt, nehmen wir das heiße Bad im schwefelhaltigen Wasser gerne mit. Weiter durch die Anden wollten wir eigentlich mit der berühmten Schmalspurbahn von Alausi bis zum Fuße der „Teufelsnase“ fahren. Doch seit Corona ist die Bahnstrecke gesperrt. So konnten wir lediglich auf den Bahnstrecken bis zum Gipfel der Teufelsnase wandern.

Unser Setup für 4
Umgebung von Banos
Selfie am Wasserfall – Wasser gibts hier viel
Schon beeindruckend
Frühstück im Regen
Frühstück bei blauen Himmel – etwas Neues!
Wanderung zur Teufelsnase
Fährt leider nicht mehr 🙁
Lecker Schweinkopfsuppe

Lange hatten wir im Vorfeld der Reise überlegt, ob wir auch die Galapagos-Inseln besuchen, wenn wir schon mal in Ecuador sind. Denn der Aufenthalt und die Anreise zum Archipel ist nicht gerade günstig. Wann würde man aber denn wieder so eine Gelegenheit bekommen? Wir haben uns für die Insel-Gruppe entschieden. Und wir sollten nicht enttäuscht werden.

Es geht nach Guayaquil

Unsere Reiseroute

Reiseliteratur

Mathias Verfasst von:

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