Es geht wieder los! Wir steigen für ein Jahr aus!

Im März 2022 machen wir ernst. Wir steigen für ein Jahr aus. Wir wollen gemeinsam einmal um die Welt fahren. Der Plan: Von Dresden aus immer gen Osten. Über Zentralasien in die Mongolei. Zum Baikalsee und nach Vladivostok. Von da aus wollen wir das Auto nach Südamerika verschiffen und dort nochmal für fünf Monate durch Patagonien reisen. Der Plan stand schon lange fest. Das Startdatum auch – der 20. März. Wir wollen noch einmal mit unseren Lieben Mathis Geburtstag feiern und dann soll es los gehen. Noch 90 Tage bis zur Abfahrt! Wir können es kaum erwarten.

Das Auto ist vorbereitet, wir sind auch bereit!

Willkommen in der Wirklichkeit

Heute ist der 4. Advent 2021. Während andere Familien die Vorweihnachtszeit genießen, im Duft der Räucherkerzen Plätzchen backen oder sich im Weihnachtsstress mit Last-Minute-Shopping und Geschenkeeinpacken verlieren, sitze ich (immerhin bei festlicher Weihnachtsmusik) inmitten von unzähligen Reiseführern, Weltreisebüchern und mit vielen offenen Tabs zu Foren und Reiseberichten auf dem Laptop, in eine Decke gewickelt im Kerzenschein auf unserem Sofa.

Irgendwie ist es für uns schon zum Alltag geworden die Reiseroute umzuplanen, zwei Tage später wieder alles zu verwerfen und von vorne anzufangen. Ich habe den Überblick verloren, bei welchem Buchstaben nach Plan A wir mittlerweile angekommen sind.

Eigentlich stand unsere Route schon seit Jahren fest. Es sollte am 20. März 2022 von Dresden aus immer Richtung Osten gehen, bis wir aus dem Westen, genauer aus Südamerika wiederkommen. Jeweils ein halbes Jahr durch Zentralasien und Südamerika. Einmal um den Globus. Das war unser großer Traum. Wir haben die Reise in verschiedene Etappen gegliedert, sodass uns Freunde und Familienmitglieder ein Stück begleiten können. Die ersten Termine waren auch schon vergeben. Besonders Georgien, Kirgistan und die Mongolei hatten es unseren Freunden angetan.

Doch als wir Anfang Dezember eine Übersicht zu den Einreisebestimmungen der einzelnen Länder unserer Route erarbeiteten, um uns einen Überblick zu verschaffen wo Einreiseformulare, PCR-Tests oder gar Quarantäne trotz Impfung nötig sind und wo überhaupt unsere Impfung anerkannt wird, mussten wir feststellen, dass die Überlandgrenzen vieler Länder im Osten für Autos noch geschlossen waren. Allen voran Russland. Und da müssen wir laut unserer Routenplanung sogar gleich dreimal durch. Auf der Seite des Auswärtigen Amts stand, dass es Einschränkungen gab. Was das bedeutete, stand da allerdings nicht. Man solle bei der Botschaft anfragen. Was wir taten – ohne je eine Antwort zu bekommen versteht sich. Über einen Austausch mit anderen Reiseinteressierten und den Kontakt zu einer Visa-Agentur wurde uns fast jegliche Hoffnung genommen innerhalb des nächsten Jahres mit dem eigenen Auto nach Russland reisen zu können. Letzte Möglichkeit: Für Januar war angekündigt, dass Russland wenigstens eine Öffnungsperspektive geben würde, wenn diese denn in Sicht war.

Für uns bedeutete das nach einer Alternativroute zu suchen und uns eine Deadline für die Auswahl der endgültigen Route bzw. wenigstens für die angepeilte Himmelsrichtung zu setzen. Der 31.1.22 wird das sein. Dann sind es noch 6 Wochen bis zum Start. Dann sollte entschieden werden, ob es Richtung Asien geht oder nach Amerika. Dann mussten entweder die Visa für Usbekistan, Russland und die Mongolei oder die Verschiffung nach Kanada oder in die USA organisiert werden.

Die Reiseführer stapeln sich schon

6 Wochen sind uns allerdings zu knapp für die Planung eines halben Jahres in Nord- und Zentralamerika. Und so sitzen wir wieder mit Google-Maps über der Routenplanung und versuchen dieses nicht greifbare Land der unendlichen Möglichkeiten in Etappen einzuteilen und abzuschätzen wie viel Zeit dafür jeweils nötig ist. Wo wollen wir hin? Wo liegen die Prioritäten? Die Kilometer, die uns angezeigt werden mehr und mehr. Die USA stand bei uns bisher nie auf dem Plan. Wir sind etwas verloren bei der Fülle an Nationalparks und Sehenswürdigkeiten. Irgendwie war die Planung für Zentralasien viel einfacher und klarer. Die Panamerikana, die Straße, um die sich zahlreiche Mythen ranken, klingt dennoch nach einer schönen Alternative. Auch wenn ein bisschen mitschwingt, dass das eine Route ist, die viele fahren und vor allem die von uns etwas belächelten „Van-Lifer“, die sich halbnackt, stets perfekt gestylt auf Instagram präsentieren, die vermutlich nie wirklich mit dem Auto gereist sind und denen wir bisher lieber aus dem Weg gegangen, bzw. gefahren sind. Aber das wird schon auch in den unendlichen Weiten der USA irgendwie klappen. Außerdem könnte auch ich mich dort problemlos verständigen. Meine Russisch-Kenntnisse enden nämlich leider nach meinem Namen, „Gutes Auto“, Wodka und Prost. Mathi müsste in Zentralasien komplett die Kommunikation übernehmen. Ich hätte diverse Hände und Füße beigesteuert und ein paar Bilder gezeigt.

Dennoch fällt der Abschied von der Zentralasienroute, den wir uns beide nicht so recht eingestehen wollen, sehr schwer. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge schauen wir was der Januar an Neuigkeiten so bringen wird. Morgen kommen erstmal die USA-Reiseführer mit der Post. Dann wird das Land für uns hoffentlich etwas greifbarer. Wir sind auf jeden Fall froh, dass unserer Reise kein großes Projekt oder ein bestimmtes Ziel gegenübersteht, was es zu erfüllen gilt. Wir wollen einfach nur raus – egal wohin. Und wir lassen uns treiben – komme was wolle. Wir machen das, was in der aktuellen Situation möglich ist und holen das Beste aus unserem Auszeitjahr raus.

Wir warten ab, was das neue Jahr bringen wird
Wir warten ab, was das neue Jahr bringen wird

Reiseliteratur

Phia Verfasst von:

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