Was willst du denn in Kasachstan?

Die Kasachische Steppe

Der längere Ausflug in den Nationalpark war eigentlich nicht so geplant und so wurde auch langsam der Sprit knapp. Gerade so schleppten wir uns zu einer Tankstelle die uns ausreichend Brennstoff für eine lange Tagesetappe geben sollte. Über 600 KM lagen vor uns – hinein in die kasachische Steppe. Das Wetter in der Steppe kann manchmal sehr extrem ausfallen. Bei Touren im Winter empfiehlt es sich die Wettervoraussichten genau zu studieren. Gerät man in den Winterburan, einen bekannten Schneesturm, ist die Gefahr groß eingeschneit zu werden, was bei -40 Grad bestimmt kein tolles Erlebnis ist. Bei uns gab es keinen Schnee, dafür Dauerregen. Drei Tage zuvor hatten wir noch bei 33 Grad geschwitzt, jetzt war das Thermometer auf 7 Grad gefallen. Die Straße wurde immer mehr zur Schlaglochpiste und lange Zeit sahen wir kein einziges Haus, Fahrzeug oder Mensch. Nur einige wilde Kamele und wilde Pferde verirrten sich am Straßenrand. Unser erstes Nachtlager auf dem Weg durch die Steppe lag am Ufer des 614 Kilometer langen Balchasch-See. Pünktlich zum Sonnenuntergang ließ der Regen nach und kurz bevor wir am Ufer unser Nachtlager aufschlugen huschte noch ein Wolf geschwind über den Weg. Nach weiteren 500 Kilometern nahmen wir einfach einen Weg von der Landstraße, der in die Steppe führte und fuhren solange, bis wir am Horizont nur noch Spielzeugautos auf dem Highway sehen konnten. Um uns lag: nichts. Einfach eine unendliche Weite. Und Mücken, die plötzlich von überall herkamen. Kein Problem: Ich habe ja ein Moskitonetz mit! Das spannten wir auf und so konnten wir auch bequem kochen und dabei einen lang anhaltenden Sonnenuntergang über der kasachischen Steppe bestaunen.

Schäfer mit seinem Hund
Autofahren durch die Steppe – unendliche Weiten
Camping in der Steppe bei wunderschönen Sonnenuntergang

Astana

Erst seit 1997 ist Astana die Hauptstadt Kasachstan. Das Volk der Steppe brauchte schließlich auch eine Hauptstadt in der Steppe. Im Laufe der Zeit nahm der Anteil von Russen und anderen Ethnien immer mehr im Norden zu, während die Kasachen eher in den Süden um Almaty zogen. Durch die neue Hauptstadt Astana sollte diesem Trend entgegengewirkt werden. Und nach einer Weile wurde die neue Hauptstadt auch angenommen. Futuristische Gebäude schossen aus dem Boden, Stararchitekten durften sich nach Belieben austoben. Trotzdem kann es hier im Winter sehr ungemütlich werden. Bei einem Spaziergang an einem kalten Wintertag ist es möglich Erfrierungen zweiten Grades zu erleiden. Uns erwartete Astana mit einem strahlenblauen Himmel. Dieser findet sich im Übrigen auch in der Nationalflagge Kasachstans in der hellblauen Farbe wieder. So eine Stadt wie Astana war für mich neu. Das futuristische Design gab der Stadt einen ganz besonderen Charme. Dazwischen gab es immer wieder viel Grün. Im Sommer 2017 ist Astana Gastgaber der Weltausstellung EXPO, die unter dem Motto „Energie der Zukunft“ steht. Ob dies ein erster Schritt der Umorientierung des Landes vom so gewinnbringenden Export fossiler Brennstoffe zum nachhaltigen Wirtschaften ist sei allerdings noch abzuwarten.

Astana. Im Hintergrund eine Mall
Mitte: Präsidentenpalast. Rechts/Links: Regierungsgebäude
Die Pyramide der Weltreligionen. Jährlich finden hier treffen mit Vertreter aller Weltreligionen statt
Futuristische Architektur
Das Wahrzeichen von Astana

Tourismus in Kasachstan

Der Tourismus in Kasachstan steht noch am Anfang. In Almaty und in Astana gibt es zahlreiche Unterkünfte aller Preisklassen. Ist man außerhalb unterwegs gibt es auch in den Nationalparks nur wenig Unterkünfte. Es empfiehlt sich hier ein Mietauto auszuleihen und ein Zelt einzupacken. Mit meinem Jeep waren wir bestens ausgerüstet. Die meiste Zeit haben wir im Auto übernachtet, da war absolut kein Problem. Im Gegenteil – die Stellplätze waren einfach immer toll. Mit der Verständigung sieht es schon schwieriger aus. Kaum jemand in Kasachstan spricht Englisch. Mittlerweile habe ich die Nummern von 1 – 300 auf Russisch gelernt um zumindest auf dem Markt mal handeln zu können (blöd nur, das 1€ = 350 Tenge ist…). Trotz Sprachbarriere wurden wir im ganzen Land jedoch überall herzlich aufgenommen und die Einheimischen haben alles versucht, uns die wichtigsten Botschaften rüberzubringen. Die aufgeführten Sehenswürdigkeiten sind eigentlich ganz gut ausgeschildert, trotzdem empfiehlt sich eine Navigationshilfe wie Google Maps oder die Handy App Maps.me. Letzter enthält sogar viele Wanderwege und kann für Wanderungen ohne Guide sehr gut verwendet werden. Das Essen in Kasachstan ist sehr auf Fleisch ausgerichtet. Das Steppenvolk sieht in dieser Energiereichen Kost seit jeher seiner Nahrungsgrundlage – angepasst auch an die extremen Wetterbedingungen. Vegetarier haben es in Kasachstan also eher schwer. Letztendlich haben wir in den knapp zwei Wochen in Kasachstan sehr wenige ausländische Touristen gesehen, was wohl auch an der Reisezeit lag. Vor allem im Juni und Juli sind viele Wanderwege im Tien Schan Gebirge offen. Ein Highlight, das wir leider nicht wahrnehmen konnten. Es ist allerdings ein Grund nochmal wieder zukommen. Dann werden auch der Aral-See und das kaspische Meer auf der Reiseroute liegen.

Polizei und Korruption

Kasachstan befindet sich Stand 2016 auf Platz 131 von 175 der Liste des Korruptionswahrnehmungsindex. Schon bei der Einreise nach Kasachstan hatte ich vom Zoll eine Extrabehandlung bekommen und sollte das gesamte Auto entleeren. Ich wusste schon was die Beamten wollten. Ich hatte Zeit und begann das Auto auszupacken. Nach der ersten Tasche meinte der Zollbeamte, dass es gut sei, fragte allerdings noch nach Vodka und Zigaretten nach. Gleiches Spiel auch bei der Ausreise. Auf der Straße und vor allem in den Städten gibt es sehr viel Verkehrspolizei, die nur darauf warten, dass man irgendeinen Fehler begeht. Das Überfahren einer durchgezogenen Linie kann sogar mit dem Führerscheinentzug geahndet werden. Ich hatte es fast geschafft ohne von der Polizei angehalten zu werden durchs Land zu fahren. Nachdem ich mich an die indischen Verkehrsregeln (also keine ^^) gewöhnt hatte, war das gar nicht so einfach. Doch 50 KM vor der Grenze kam sie doch – eine Verkehrskontrolle. Ich wurde raus gewunken, der Polizist kam jedoch nicht zur Kontrolle. So fuhr ich weiter. Der Polizist sah sich wohl seiner Autorität untergraben und bald hatte ich Blaulicht im Rückspiegel (Alle indischen Verkehrs-nicht-regeln hatte ich dann doch noch nicht verdrängt…). In so einem Fall gilt: Niemals die Originaldokumente rausgeben. Sonst hat die Polizei ein Druckmittel. Ich gab Kopie von Führerschein und Fahrzeugpapiere ab – das Original durfte er nur anschauen und nicht anfassen. Er bestand zwar darauf, nachdem ich jedoch nur auf Deutsch antwortete gab er nach und ließ mich verstehen, dass ich zum Kontrollposten zurück müsse. Im Büro des Kontrollposten wurde ich dann mit „Heil Hitler“ von einen grinsen Polizisten empfangen. Dann durfte ich wieder fahren.

Filmabend am letzten Abend in Kasachstan: Borat – Ein Film der absolut nichts mit Kasachstan zu tun hat

Fazit

Kasachstan war auf meiner Reise ein der Höhepunkte. Landschaftlich konnten wir uns oft überhaupt nicht satt sehen. Zum Ende erweckte nur wenig den Eindruck in Kasachstan zu sein, als wir durch die Ausläufer von Sibiriens fuhren und weite Wälder den Wegesrand säumten. Ein echter Vorgeschmack auf das, was mich in Russland erwarten sollte. Den Leser kann ich eine Reise nach Kasachstan nur wärmstens empfehlen und hoffe, dass nach diesem Bericht ein paar Leute weniger nach Bekunden von Kasachstan-Reiseplänen die Frage stellen werden, was man denn in Kasachstan wöllte und stattdessen mit Erstaunen sagen „Wow Kasachstan! Da möchte ich auch gerne mal hin!“

Zur Statistik der Reise

WHAT THE HELL DO YOU WANT IN KAZAKHSTAN?

“And where does your next trip goes to?” asked a work colleague of Lydia. “To Kazakhstan!” was what she replied. The colleagues of Lydia know that she likes different holiday destinations. Last time she even was in Tibet! The coworkers expected a similar exotic destination. He was about to say “Wow” when he got her weird destination as a reply. He couldn’t hide his surprise. “What the hell do you want in Kazakhstan?” was what he said.

Several people I met who’ve been already to Kazakhstan told me that they had a similar experience. Many of their friends couldn’t understand why people actually go there. And many have the stupid movie “Borat” as the first connection to the country even if this movie has absolutely nothing to do with Kazakhstan.  This country is from its area the ninth biggest country of the world. There is a lot of steppe indeed but there should be also more in such a huge country right? Lydia was choosing this destination because she wanted to join me for almost three weeks on my way home from India to Germany. And after some research she was interested in this country. Now it has been already a while since we left Kazakhstan. I would like to talk about this country now. The journey is worth-it.

Wild horses in the Kazakh steppe

General information about Kazakhstan

The Republic of Kazakhstan is with a size of 2.7 million square kilometer the ninth biggest country of the world. It borders in the north and the west to Russia, in the east to China and in the south to Kyrgyzstan, Uzbekistan and Turkmenistan. It is the country on the world which is the most far away from the ocean. The geographical location has an influence to the climate. Hot and dry summers are going almost without any transition to winters with less snow. Indeed in the mountains though there is a lot of snow in the winter. Kazakhstan became independent after the fall of the Soviet Union in 1991 and is ruled since then of the president Nursultan Nazarbajev. The history of the country is moving and the culture of the people of the steppe almost got lost. In the 15th century a group of people (descends of Dshingis Khan) in the area of today’s Kazakhstan was first called as “Kazakhs” which comes from the Turkmen word for “free, independent” people. When we saw a cowboy in the wide countryside we could understand this connection. In some unstable years this group of people decides to join the Russian Empire and became with the years almost complete a territory of Russia. Later Kazakhstan was an “Autonomous Socialist Soviet Republic” of the Soviet Federation. The time during the rule of Stalin was the worst for the people of this area. Forced expropriation and forced settlements of Russian was part of the daily life. Land and animals were taken from the landlords and were integrated in collective farming groups. A higher and middle class could therefore not exist. The cattle were staying constant grasslands. The life of a nomad was impossible. Diseases and overgrazing were ending in a huge famine. Two million people died. One million was leaving the country. Within a few years Kazakhstan lost almost the half of its inhabitants. Now there was a lot of space for the feared working camps. Furthermore several tests with nuclear bombs took place in this territory. In the south of Semej exploded in between 1949 and 1989 470 nuclear and hydrogen bombs. In average one explosion in a month.

After the fall of the Soviet Union the country went into a process to reanimate the almost erased Kazakh culture. Nowadays even the Kazakh language is being taught in schools. The president assured with several changes in the constitution that he will be until his death the president of the country. At the same time several rights which are in the constitution like the freedom of speech, freedom of opinion or the freedom of association can’t basically is not ensured.

The route of the journey

Well I have to admit also we had to do some research about the common sights of Kazakhstan. This country is really a white spot on the tourist map. Some friends gave me some recommendations and also the internet and the guidebook had some useful information. We crossed the border from Bishkek, Kyrgyzstan and spent two nights in the Ile-Alatau-National Park close to Almaty and one night in Almaty itself. Then we continued to the Charyn Canon before we had a quiet night at Lake Tuzköl in the very east. Afterwards we spent two nights in the beautiful Altyn-Emel Nation Park and crossed then the Kazakh steppe with Lake Balchach and the capital Astana. From there we left Kazakhstan to Russia.

The Ile-Alatau National Park

This national park is the local recreation area of Almaty. The recreation seeking people from the city also left some traces and their trash most of the time doesn’t land in the bins. There are many wild camping spots in the valley for friends of camping. Exactly the right thing for us. We stayed right next to the river and the noise of the river was making us not hearing the noise of the nearby road. Some leftovers also showed us that these places are also used from young couples. Anyways we enjoyed the nature and the magnificent view to one snow covered peak which was glowing red in the hour of the sunset. Our day hike started at the Great Lake Almaty which is also the water reservoir of the city. It was not allowed to go to the lake shore which is secured by soldiers. We entered a path which is going to the border of Kyrgyzstan. This path was very famous and many people used to hike to Lake Issyk Kul on the other side of the mountains. But this is nowadays not possible since Kyrgyzstan and Kazakhstan are now two separate countries. We met a local who gave us the advice to climb one of the lake surrounding peaks. But the paths weren’t marked and some climbing parts almost ended in tragedies. Still we could spot some ibex and had an incredible view to the turquoise colored lake.

Camping in the Ile-Alatau National Park
Hiking in the Ile-Alatau National Park
The great Almaty lake
Ibex!
Time for breakfast

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Reiseliteratur

Mathias Verfasst von:

3 Kommentare

  1. Elise Lecluyse
    3. Juni 2018
    Antworten

    Awesome! Going to KZ next summer (2018). Did you rent a car in Almaty? With which Company?
    Awesome to read your experience.

    • Mathias
      8. Juni 2018
      Antworten

      Hi Elise, I went there with my own car, so I didnt need to rent a car. But I meet a german group who rented a car in ALmaty withour any problems. There are many local dealers you can contact once you are there 🙂

  2. Javier
    21. Juli 2017
    Antworten

    Hi from Israel !! I couldn’t agree with you more !! KZ is a fabulous country with friendly and helpful people. I was there with my wife last year(2016) and now we will tour with our 2 small kids , hiring a 4×4 to give us the freedom to move around.
    I will follow many of your recommendations. Fantastic post and great pictures.
    One last word, Almaty is the greatest culinary city I have ever seen, with food from every corner of the globe .The indoor decor of the restaurants should be copied everywhere in the world !!

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