Wie man auf die Idee kommt von Berlin nach Indien mit dem Auto zu reisen

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Reisen ist etwas einzigartiges. Wenn man einmal mit Reisen angefangen hat, so ist es schwer wieder davon los zu kommen. Wahrlich, heutzutage scheint Reisen nichts mehr außergewöhnliches zu sein. Reisen ist erschwinglicher geworden. Für viel mehr Menschen ist es möglich, ein günstiges Flugticket zu erwerben, um sich wenig später am anderen Ende der Welt wiederzufinden. Wenn ich an meine Eltern denke, die als DDR-Bürger nur wenige Länder besuchen durften, so können wir uns heute als sehr glücklich schätzen. Vor allem wenn man bedenkt, dass dieses Glück einen Großteil der Menschheit aufgrund von Armut und Kriegen immer noch vorenthalten ist.

Nun muss man auch zwischen Reisen und Urlaub und fernen Ländern unterscheiden. Während man als Urlauber sich alles brav von seiner Reiseagentur vorbereiten lässt und sich um nichts kümmern muss, so schnallt sich der Reisende zumeist einen Rucksack auf den Rücken, lässt sich in der tiefsten Pampa aus einen überfüllten Minibus gleiten und versucht auf eigene Faust seine Unterkunft zu entdecken. Diese ist dann Ausgangspunkt zahlreicher Expeditionen, die als Ziel haben, dass Land und die Leute zu entdecken.

Ich selber habe insgesamt 2 Jahre in Lateinamerika verbracht. Ich habe in drei Ländern und somit in drei verschiedenen Kulturkreisen gearbeitet und dabei viel über das Land sowie über die hiesigen Sitten und Gebräuche gelernt. Dazwischen habe ich mir meinen Rucksack auf den Rücken geworfen, habe Freunde dazu bewegt mit mir zusammen den Kontinent zu entdecken. Ich habe viel gelacht, habe gestaunt, war verzweifelt und traurig. Ich war beeindruckt von der unglaublichen Natur und habe über die Menschen gestaunt. Ich war glücklich. Ich war abhängig von Reisen.

Und dann?

Ich nannte mich nun nicht mehr Student, wie ich es mehr als 6 Jahre lang getan habe. Zeit also nun eine Arbeit zu suchen, sich nieder zu lassen. Bodenständig werden. Eine Familie gründen. Aber geht mir das nicht etwas zu schnell? Wo steht denn bitteschön geschrieben, dass man genau diesen Weg gehen muss? Und woher wusste ich, dass es mein Weg sein sollte, der mir vorherbestimmt ist? Nur alles Träumerei. Die Realität sah anders aus: Keinen müden Euro mehr auf den Konto. Dazu Schulden, damit ich meine vorhergehenden Reisen finanzieren konnte. Diese gilt es nun zurückzuzahlen. Und Berlin schien mir als geeigneter Ort dazu. Ich begann meine Arbeit als Technischer Projektmanager bei Aperto, einer der größten Digitalagenturen Deutschlands. Programmieren und Organisieren habe ich neben meinem Studium gelernt. Und das kann ich gut. Ich mag meinen Job sehr. Dazu füllte sich das Konto wieder auf und ich konnte meinem Hobby wieder nachgehen. Es folgten Reisen nach Marokko, Spanien, Thailand, Kambodscha, Vietnam, Laos und Indonesien. Das Leben ist toll! Dennoch fehlt mir etwas…

Der Reisemodus.

Wenn man sich für zwei oder drei Wochen aufmacht, die Welt zu entdecken, dann nimmt man sich natürlich allerhand vor. Schließlich ist man ja nur einmal da und jede Sehenswürdigkeit muss entdeckt werden. Die ersten Tage verbringt man damit, sich in den Reisemodus zu versetzen. Das bedeutet, dass die Alltagsprobleme, die Projekte auf Arbeit, die notwendige Suche nach einer neuen Wohnung und so weiter erst einmal in die hinterste Ecke des Kopfes geschoben werden müssen, damit wieder genügend Platz für die Eindrücke da ist, die einen unausweichlich die Reise versüßen. Man lässt los von den deutschen Gepflogenheiten. Pünktlichkeit, Sauberkeit und Ernsthaftigkeit sind nun nicht mehr wichtig. Es stört mich nicht mehr, wenn das Zimmer nicht das sauberste ist, wenn der Zug nach zwei Stunden Verspätung dann doch mal auftaucht und dass die Stromleitung eher einen Spinnennetz ähnelt. Man wird offener für neue Eindrücke, wird gesprächiger und beobachtet viel neues. Der Vogelkäfig der eigenen Kultur wird geöffnet und der Reisevogel begibt sich dahin, wo er hingehört: In die Freiheit.

Aber denk dran auch wieder in deine Kultur zurückzukehren.

Ich konnte die Reisen nicht mehr so genießen. Wenn ich dabei war, die vielen Eindrücke gerade zu verarbeiten, so entdeckte ich mich gerade wieder inmitten von Projektplanungen und Meetings. Einer Woche nach meiner Rückkehr von fremden Ländern und Kulturen schien es mir, als läge meine letzte Reise schon Monate hinter mir. Schon lange sehnte ich mich, wieder länger unterwegs zu sein. Auch mal wieder in einem anderen Land länger zu bleiben und somit Zeit zu haben noch vor Ort die Eindrücke zu verarbeiten.

Das Ziel ist Indien.

Ich begann also Geld zu sparen. Ich kochte mein Mittagessen am Abend zuvor, um nicht jeden Tag in eines der zahlreichen Restaurants zu gehen. Ich kaufte neue Klamotten nur dann, wenn es wirklich an der Zeit war und begann wieder in einer WG zu leben, anstatt in einer eigenen Wohnung. Ich arbeitete hart und arbeitete mich hoch, bekam Gehaltserhöhungen. Dann erzählte ich meinen Chef, dass ich gerne ein Sabbatical einlegen wolle, um einige Zeit auf Reisen zu gehen. Er fragte mich „Für viel lang?“. Und irgendwie hatte ich noch nie so richtig darüber nachgedacht. Und ich antwortete

„Für ein Jahr“

Da musste selbst mein Chef schlucken. Ein Jahr? In unserer Firma war es möglich für drei, aber auch mal für sechs Monate seine Arbeitszeit zu unterbrechen. Aber für ein Jahr? Nun galt es die Personalabteilung zu überzeugen. Mittlerweile stand mein Entschluss fest und anscheinend merkte das unsere Personalleiterin auch (Danke an dieser Stelle an Yeter 🙂 ). Nachdem ich sie fragte, ob eine Ein-Jahres-Pause möglich wäre, antwortete sie nur: „Haben wir eine andere Wahl?“ – Nein. Und ich bin sehr dankbar darüber, dass ich diese Möglichkeit bekommen habe. Denn ab jetzt galt:

Von nun an geht kein Weg mehr zurück.

Als ich meiner Großmutter von meinen tollkühnen Plänen erzählte, fragte sie mich: „Ach Junge, warum tust du dir das an?“ Und während ich in kalten Januartagen meine Reise plante, so dachte ich sehr oft an sie. Denn diese Reisestrecke hat es in sich. So viele Konflikte und Krisenherde lauern auf dem Weg nach Indien. Grenzen sind geschlossen und müssen weiträumig umfahren werden. Visa, Zölle und viele andere Papiere müssen organisiert werden. Was ist die richtige Versicherung? Auf was muss man achten, wenn man diese Strecke mit dem eigenen Fahrzeug zurücklegt? Mir wurde langsam klar, dass diese Strecke eine der am kompliziertesten zu organisierenden Strecken der Welt sei.

Und das liebe ich! Ich liebe Herausforderungen!

Auf vielen meiner Reisen habe ich auch mal ein Auto ausgeliehen. Das Gefühl war immer unbeschreiblich! Man war unabhängig, frei und gleichzeitig verloren und auf sich alleine gestellt. Das Ziel war nun nicht mehr der Busbahnhof. Man hielt an, wenn es einem gefiel, nahm spontan eine andere Strecke. Man lernte Menschen und Gegenden kennen, die in keiner Karte verzeichnet waren. Das Reisen mit den eigenen Fahrzeug ist ein einzigartiger und zugleich ein sehr individueller Weg ein Land und seine Kultur zu entdecken.

Also werde ich von Berlin nach Indien mit meinem Auto reisen.

GOING FROM BERLIN TO INDIA… BY CAR…

Traveling is great! Once you start to travel, once you’ve been far away from everything, once you’ve found yourself in a crowded minibus at the other end of the world, once you’ve been by your own in a culture which is totally different from yours, then you get addicted to traveling.

I lived and worked two years in Latin America. In the time between I was traveling. I discovered the continent. I traveled alone. I traveled with friends. I traveled with my family. I was laughing. I was almost crying. I was astonished by the nature, the people, the culture. I’ve got addicted to traveling.

Cut.

My time as a student was over. I’ve got my Diploma. I’ve gained experience from studying, working and traveling. And now? Time to settle down. Time to start working, find a girl friend, start a family. Well come on, please not that fast! I started working. Berlin is the place to be. I’ve got an awesome job as an IT project manager in the web agency Aperto in Berlin. That’s what I can do: IT and organizing stuff. I still love my job. I can save money for discovering more from the world: Morocco, Spain, Thailand, Laos, Vietnam, Cambodia and Indonesia. Live is great. But wait, there is something missing:

Enough time for traveling.

I was traveling a lot during the time as an employee. Almost every weekend I was on the road. I’ve spend all my holidays for traveling somewhere far away. Two weeks, once three weeks. But what are two or three weeks of traveling? Nothing. When the few days of traveling are almost over, you discover that you just started to begin to be in a travel mode. Travel mode means that you’ve left your work and normal life problems at home. You forget some of your German properties: punctuality, cleanness, correctness. It’s okay that the bus is late. Its okay the room is not the cleanest. It’s okay the electric cables in the street are looking like a spiders web. You start to be more open. Talk to people you don’t know. You start to become free.

Don’t miss the plane which brings you home again.

For me it was sure after I did my first trip to Morocco six months after I started working: One day I want to do a long trip. I want to keep the travel mode. The destination was easy to find. The country I heard and read so many stories from. THE country where its necessary to stay more than three weeks otherwise it’s impossible to feel comfortable.

The destination is India.

I started to save money. I precooked my lunch the night before that I can save the money for lunch restaurants. I bought new cloths only when it was really necessary. I choose to live in a shared flat instead of having one for my own. I worked hard to get a better salary. I spoke with my boss that in July 2016 I want to go abroad. He asked me for how long. I’ve never thought about it.

I said „for one year“ without thinking about it.

I asked for a one-year sabbatical. I knew its gonna be almost impossible to get a sabbatical for one year. But for me it was sure: If I don’t get it, I gonna quit. Somehow the woman of the human resource department of my company felt it (Thank you Yeter 🙂 ). She answered to my question if a one-year sabbatical is possible: „Do we have any choice?“. I am really thankful for that opportunity my company was giving me. And it was sure for me:

From now on there is no way back.

My grandmother asked me, when I told her that I am planning to go to India by car „Why are you doing that to you?“. Sometimes I thought she was somehow right when I am planning the trip. So many stuff to organize when you travel by car: visa, customs, insurance, countries where there is war and conflicts. I am sure that the route from Europe to India is the most complicated route to organize and travel.

I love that! I love challenges.

The idea of traveling to India by car was coming after the past travels where we always rented a car. „The possibility of individually discovering a country, is only possible with your own vehicle. […] It is a big freedom to come and go whenever you want without being dependent from time or departure time. To get lost and discover there, where you arrive, the people and the places where no travel route was going to and which aren’t marked in any map“ (Translated from the Book „Die Suche nach Indien“ from Dennis Freischlad).

So I am going to travel to India with my own car.

Reiseliteratur

Mathias Verfasst von:

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