Die Türkei aus den Augen eines Reisenden

English version below

Der Auftakt mit der Türkei begann zunächst etwas, nennen wir es schwierig. Mehr als 3 Stunden haben wir an der Grenze gewartet. Pünktlich zur Ankunftszeit in Istanbul dann der Militärputsch. Die ersten Stunden in der Türkei waren für uns also ein Zustand zwischen Angst und Unwohlsein. Wir hatten wohl am Ende sehr großes Glück. Denn nach kurzer Zeit war wieder etwas Ruhe in die politische Situation eingekehrt. Trotzdem war große Vorsicht angesagt.

Wenn man so wie wir nur wenige Tage in einem Land verbracht hat, dann ist es natürlich schwierig darüber ein Bild zu formen. Ich möchte es trotzdem versuchen.

Die Menschen der Türkei

Als wir im Stau von Istanbul standen, ist uns zunächst aufgefallen, dass die Türken ungeduldig und impulsiv seien können. Den neben uns war ein Autofahrer so erbost darüber, dass es im Stau nicht vorwärts ging, dass er seinen Vordermann einfach mit seinem Auto angeschoben hat. Dieser war darüber natürlich nicht erfreut und konterte dies promt mit Faustschlägen.
Im Gegensatz dazu steht die unglaubliche Gastfreundschaft. Über Lukas sind wir für 3 Nächte bei den Schwestern Azize und Arife untergekommen. Sie betreiben Handel mit Import und Exportgüter und waren die perfekten Gastgeber. Sie haben uns die Stadt gezeigt einschließlich sämtlicher kulinarischen Besonderheiten, zu denen ich auch gleich kommen werde.
Wenn man aus Istanbul raus fährt, nimmt die Anzahl der Menschen, die auch etwas Englisch können stark ab. Da muss man sich schon mal mit Händen und Füßen verständigen. Auch ändert sich das Bild des äußeren der Menschen. Während in Istanbul der Großteil der Frauen sich europäisch kleiden, tragen in Anatolien viele Frauen ein Kopftuch. In Trabzon sind zu einem Drittel der Frauen Vollverschleiert, zu einem Drittel mit Kopftuch und zu einem Drittel europäisch gekleidet. Man merkt also stark, dass die Rolle der Frau im Landesinneren der Türkei schon eine andere ist.

Menschen in Istanbul
Menschen in Istanbul

Die Religion und der Nationalstolz

Der Islam ist allgegenwärtig in der Türkei. Das Stadtbild ist geprägt von Minaretten von Moscheen. Fünfmal am Tag ruft der Muezzin zum Gebet. Alkohol wird rund um einer Mosche nicht ausgeschenkt oder verkauft. Generell wird kein bis sehr wenig Alkohol in der Türkei konsumiert. Dass die Türkei kein säkularer Staat ist sieht man spätestens dann, wenn an den Minaretten die Türkeiflagge hängt. Generell ist uns aufgefallen, dass die Türkeiflagge überall im Lande zu sehen ist. Die Türken haben einen sehr stark ausgeprägten Nationalstolz, vor allem jetzt in der Zeit nach dem Militärputsch. Hier wurde gefühlt zwanghaft versucht Einheit zu demonstrieren. Besonders deutlich wurde das in Trabzon, als wir in eine AKP-Wahlkampfveranstaltung reingeraten sind. Vor uns war ein Meer türkischer Fahnen und wir haben uns schnell aus dem Staub gemacht, bevor die Stimmung vielleicht kippen konnte.

Religion und Staat
Religion und Staat

Sehenswürdigkeiten

Istanbul selber ist schon eine Sehenswürdigkeit für sich. Was für eine lebendige Stadt, unendliche Fotomotive, internationales Flair, tolle Architektur. Leider haben wir durch das Putschwochenende viele Plätze vermieden, da die Situation sehr unübersichtlich war. Außerhalb der Stadt haben wir einen Zwischenstopp in Safranbolu eingelegt, einer Kleinstadt in Anatolien mit kleinen Gassen und schöner Häuser. Höhepunkt war Kappadokien, eine durch Vulkane, Wind, Wasser und Erosion geformte Landschaft. In den leicht zu bearbeiteten Tuffstein haben schon vor 3.000 Jahren die Menschen sie Höhlen gegraben. In dieser Region sind auch viele Spuren des durch die Griechen geprägten Christentums zu sehen. Riesige Höhlenkirchen und Felsenklöster verzaubern den Besucher. Der morgendliche Ballonflug zum Sonnenaufgang hat dem noch die Krone aufgesetzt! Die Schwarzmeerküste weist im Gegensatz zu Anatolien eine sehr üppige Vegetation auf. Hier regnen sich die Wolken ab und das haben wir gleich zu spüren bekommen.

Das Dorf Safranbolu
Das Dorf Safranbolu
Kappadokien
Kappadokien
Die Fahrt mit dem Heißluftballon am Morgen
Die Fahrt mit dem Heißluftballon am Morgen

Die Straßen und das Autofahren

Die  Straßen waren überraschend gut. Zunächst sind wir auf dem Weg nach Istanbul auf einer Mautpflichtigen Autobahn gefahren. Hier wurde das Nummernschild fotografiert und mit dem HGS-System Geld für die Streckenbenutzung vom Mautkonto abgezogen, dass mit der HGS-Plakete eröffnet wird. Vorausatzung ist: Man hat die HGS-Plakete. Diese erhält man in ausgewählten Shell-Tankstellen oder Postämter. Die Tankstellen waren so ausgewählt, dass wir genau null gefunden haben, die HGS-Plaketen verkauften und die Poststellen waren zu klein. Ob ich am Ende noch Post bekomme wird sich zeigen. Ein anderer Streckenabschnitt war eine Schotterstraße. Alles kein Problem für den Jeep, das Fahren hat auch riesig Spaß gemacht. Allerdings war ein Teil der Schotterstrecke mit frischem Teer überzogen. An der nächsten Tankstelle hat mich fast der Schlag getroffen. Das silberne Auto war komplett schwarz gesprenkelt! Überall Teer, der so einfach nicht mehr abging. Da half nur eine professionelle Autoreinigung.
Zum Autofahren selber: Wie erwartet hielt sich keiner an Geschwindigkeitsregeln. Aber in der Summe war alles noch sehr human. Es gab viele Polizeikontrollen, aber nur eine hat mich kurz vor der georgischen Grenze angehalten und wollte wissen, was in meinem „Military Bag“ auf dem Dach drin sei…

Schotterstraßen inmitten von Anatolien
Schotterstraßen inmitten von Anatolien

Das Essen und Trinken

Zu guter letzt möchte ich doch noch auf die kulinarischen Genüsse des Landes eingehen. Ein Traum! Dieses Land hat einiges zu bieten. Zum Frühstück bestellt man sich, in der Regel in einer Gruppe, allerlei Kleinigkeiten, von denen man sich dann bedient. Im Laufe des Tages kann man sich von einer großen Auswahl an Snacks ernähren. Zu den Highlights zählen Köfte (Fleischbällchen), Döner/Dürum im Brot (Allerdings etwas anders zubereitet als die Deutsche Variante), Çiğ Köfte (Kräftig gewürzte rohe Hackfleichbällchen), Kumpir (Ofenkartoffel gefüllt mit allem was man will) und Pide (Ähnlich zu Pizzabaguette). Zudem gibt es eine große Auswahl an regionalen Köstlichkeiten, deren Namen mir leider nicht im Gedächtnis geblieben sind.

Traditionelles Türkisches Essen
Traditionelles Türkisches Essen

Die Reise geht weiter

In Trabzon habe ich meine beiden Begleiter der ersten Etappe ins Flugzeug gesteckt. Direkt am Flughafen sind mir zwei Deutsche in die Arme gelaufen, die einen Weg nach Batumi gesucht und mit mir eine Mitfahrgelegenheit gefunden haben. Mit Ilia (29, Koch) und Johannes (32, Sozialarbeiter) habe ich mich sofort sehr gut verstanden und war auch froh die 200KM nach Batumi und die 3 Stunden an der Türkisch-Georgischen Grenze nicht allein verbracht zu haben.

Link zu Google Maps: https://goo.gl/maps/jYMo21MPejr
Link zu Google Maps: https://goo.gl/maps/jYMo21MPejr

Gerade habe ich auf einem Campingplatz 15km nördlich von Batumi übernachtet. Die Übernachtung im Auto war für mich kostenlos und der Manager hat mich heute zu einem Bier und Mittagessen eingeladen. Die Gastfreundschaft nimmt also nicht ab. Morgen treffe ich dann Dirk und  wir werden dann auf der zweiten Etappe Georgien und den Kaukasus erkunden.

TURKEY FROM THE EYES OF A TRAVELER

The start of the relationship with turkey was not the best. We waited more than 3 hours at the border to enter the country and then they made a complete check of the luggage. At the time of our arrival in Istanbul we crushed into the military coup. Nice. The first hours in Turkey were characterized by fear. And at the end we’ve been very lucky. Shortly after the beginning of the coup the political situation calmed down. But still, we had to take care.

When you only spent a few days in a country it is quiet difficult to form a big picture. But I would like to try it anyways.

The people in Turkey

When we stuck in the traffic jam of Istanbul we realized that the Turkish people can be inpatient and impulsive. Right next to us there was a guy in a car who was apparently not fine that there was no movement in the traffic jam so he just pushed the car in front with his car. The other driver answered this with thy flying Turkish fist.
On the other side you have the incredible hospitality of the Turks. My friend Lukas knew two friends who are living in Istanbul and where we could stay for three nights. So we stayed in the house of Azize and Arife who are working in import and export of oldtimers. They were the perfect hosts! They showed us the city including several culinary specialties to which I will come later.
When you ‘re leaving Istanbul the number of people who can speak English is decreasing rapidly. Then you have to communicate with your hands and feet. Also it changes how the people dress. In Istanbul the average of the women are following the European style. In Anatoly however the average of the women are wearing headscarf. In Trabzon one third of the woman is dressed like Europeans, one third are wearing headscarf, and one third are wearing complete burka. So you really feel that on the countryside of Turkey the role of the woman is different than in big cities.

People in Istanbul
People in Istanbul

The religion and the national pride

The Islam is everywhere in Turkey. In the city you see a lot of mosques. Five times the day the muezzin is calling for praying. Alcohol is not severed around a mosque and generally the Turkish people are preferring tea than alcohol. You see that Turkey is not a secular state when the Turkish flag in hanging on the minaret of a mosque. However the Turkish flag is widely spread in the city especially in the days after the military coup. The sickly try to show union in a time where they have so many problems with their own people. We could see that in Trabzon where we landed in a political event of the AKP. In front of us there were millions of Turkish flags and the speaker was very aggressive in what he was saying. So we left fast as we didn’t feel quite save there.

Religion and State
Religion and State

Sights

Istanbul for itself it is already a big sight. What an impulsive city, endless photo motives, international flair and great architecture. Unfortunately  we didn’t do so much sightseeing because it was the weekend after the coup and the situation was still not clear. On our way to Anatoly we made a stop in Safranbolu, a small city with narrow streets and old houses. The highlight was Cappadocia. It’s a landscape formed by volcano, wind, water and erosion. Even for 3.000 years they build cave in the rocks. In this region you see a lot of traces of Greek influenced Christendom.  Huge cave churches and monasteries made the people being astonished. The best was the balloon flight in the morning at the time of the sunrise. The coast of the black sea however shows very green vegetation. In this region all the clouds are loosing their rain on the front of the mountains.

The village of Safranbolu
The village of Safranbolu
The flight with the ballon in the morning
The flight with the ballon in the morning

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Cappadocia
Cappadocia

The streets and the driving

The streets were generally in a good shape! On our way to Istanbul we used the toll road. Here they take a picture of your license plate and withdraw the cost from your toll account with comes with the HGS sticker. They sell it on gas stations and post office. Unfortunately we never found a selling station, so if I don’t get a mail from Turkey we used the toll highways for free. Another part of the road was a dirt road. No problem for the jeep, but there was one part with fresh tar. At the next service station the shock: The car was almost black from the tar which wasn’t easy to remove at all. A professional car cleaning was therefore necessary.
To the driving: As I expected nobody cares about speed limits. But all in all everything was quiet human. They had a lot of traffic control stops but only one stopped me because they were interested what things I carry in my “military bag” on the roof of the car 😉

Dirt roads in the center of Anatoly
Dirt roads in the center of Anatoly

Eating and drinking

Last but not least I want to mention the food of turkey. It is a dream! This country has a lot of very good dishes! For breakfast in a group you order several small dishes from where everyone takes a little bit. During the day you could take several small snacks. The highlights are Köfte (meatballs), Döner/Dürm in bread (but different from the German version), Çiğ Köfte ( spicy raw meatballs), Kumpir (oven potato  stuffed with everything you want) and Pide (similar to pizza baguette). On top there are many regional dishes which names I unfortunately forgot.

Traditional Turkish food
Traditional Turkish food

The trip continues to Georgia

In Trabzon I left my friends at the airport where they took the plane home. Directly at the airport were two Germans, who came to me, asking for the way to Batumi. They found with me a suitable ride. I enjoyed the ride with Ilia (29, chef) and Johannes (32, social worker) both from Frankfurt and I was happy to not be alone the whole time.

Link to Google Maps: https://goo.gl/maps/jYMo21MPejr
Link to Google Maps: https://goo.gl/maps/jYMo21MPejr

Right now I just stayed in a camp ground 15km north of Batumi. The night was free for me and the manager invited me for a beer and the lunch as well. The hospitality therefore is the same in Georgia. Today I will meet Dirk from Dresden and we will discover on the second stage the Caucasus region.

Reiseliteratur

Mathias Verfasst von:

Ein Kommentar

  1. Tomas Kovarik
    9. Mai 2019
    Antworten

    Hallo Mathias, danke für Inspiration. Meine Frage: Wie viel Reifenpannen hattest Du während der Asienreise 2016/2017? Hattest du 2 Ersatzräder?
    (Ich plane zurzeit kürzere „Expeditionen“ Kaukasus oder Marokko ca. 4 Wochen und Zentralasien ca. 8 Wochen mit kleinem Suzuki Ignis 4×4, wo gibt es nicht zu viel Platz für mehrere Ersatzräder. Unbefestigte Straßen nur, wenn notwendig, z. B. Tuschetien/Omalo, Pamir Highway..). Grüße aus Prag, Tom

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