Unterwegs zum Pico Duarte

Letzten Freitag fieberte ich den letzten Minuten der Arbeit entgegen. Nach der Arbeit sollte mein Trip zum höchst gelegenen Berg der Dominikanischen Republik gehen, den Pico Duarte. Im leichten Nieselregen startete ich zusammen mit einer Gruppe von Mitarbeitern der amerikanischen Botschaft Santo Domingo. Der Verkehr war extrem und der Fahrer unseres Kleinbusses rammte auch schon nach 10 Minuten das erste Auto was mir gleich ein sicheres Gefühl für die Weiterreise gab. Tagesziel war ein kleines Bergdorf in 1100 Meter Hoehe. Der inzwischen strömende Regen machte die Fahrt zu einen Erlebnis. Der Kleinbus schlängelte sich durch enge Serpentinen und auf einer von Schlaglöchern uebersäten Schotterstraße. Angekommen im Bergdorf bezogen wir eine gemühtliche Hütte und sammelten am Kaminfeuer Kraft für den nächsten Tag. Um 6 dominikanischer Zeit, also um 8 starteten wir dann endlich, nachdem wir knapp 2 Stunden auf die Maultiere gewartet hatten. Der Aufstieg gestaltete sich als „interessant“ da eine Gruppe von knapp 100 Jugendlichen ebenfalls den Aufstieg begann und dies lauthals grölend der ganzen Welt verkündete. Die erste Etappe sollte 18 Km lang sein und zum 2400 Meter hohen Lager führen. Die ersten 9 Km waren einfach nur Schlamm. Zuerst konnte man dem noch ausweichen bevor man, um den weiteren Aufstieg fortzusetzen, im Zentimeter tiefen Morast versank. Desweiteren drängten die vielen Maultiere, welche das Gepäck der Touristen mit sich trugen, uns dauernd vom Weg ab oder warfen einen Schlamm an die Kleidung. Desweiteren erschwerte der den ganzen Tag andauernde Regen den Aufstieg und sorgte nicht für die beste Motivation. Der erste Tag war daher eher bescheiden und mit purem Überlebenskampf zu vergleichen. Angekommen im Lager suchten wir schnell die heiß begehrten Plätze am Lagefeuer auf um uns zu wärmen und zu trocknen. Das vom Chinesischen Koch äußerst bescheidene Abendbrot (Reismus mit Huhn) machte eine Riesenfreude auf die aufkommende und sehr kalte Nacht. Als ich dann gegen 11 in meinem Schlafsack stieg, musste ich feststellen, dass dieser vollkommen nass war. Zusammen mit meiner feuchten Kleidung versuchte ich einzuschlafen. Was mir aber vor Kälte nicht gelang und um mir nicht noch eine Lungenentzündung zu holen beschloss ich, mein Schlafsack und all meine Kleidung am Feuer zu trocknen, welches nun kaum mehr besucht war. Gegen 1 war ich dann fertig und mir war auch richtig warm. Die Bank nahe dem Lagefeuer schien mir als Schlafplatz sehr geeignet und ich bereitete mich auf eine sehr kalte (ca. 5 Grad) und unbequeme Nacht vor. Halb 5 am nächsten Morgen brach ich zusammen mit einer am Vortag kennengelernten Tschechin, welche ich mit meinen tschechischen Phrasen (Ein Bier bitte, Du hast schöne Augen, Willst du mit mir tanzen) zu begeistern schien, auf um den Sonnenaufgang am Gipfel des Berges zu bestaunen. Dazu ging es ca. 2 Stunden durch die Dunkelheit auf 3089 Meter. Der prächtige Sternenhimmel und die Lichter von Städten am Horizont zusammen mit der Stille und einen leicht brausenden Bergwind motivierten einen, trotz 3 Stunden Schlaf, zum raschen Aufstieg. Die letzten Meter waren in Wolken gehüllt, was uns schon enttäuschte nicht den Sonnenaufgang zu sehen. Jedoch kam die größte Wolke genau als wir am Gipfel angekommen waren über den Berg und 5 Minuten später rekte auch schon die Sonne ihre ersten Strahlen nach uns. Diese ersten Minuten des nun startenden Tages waren von Wohlbefinden, glücklich sein und grenzenloser Freiheit umhüllt. Ungefähr eine Stunde hielten wir uns auf dem Gipfel auf und bestaunten das uns von der Natur gezeigte Panorama bevor wir zum Abstieg aufbrachen. Angekommen im Camp, welches wie ausgestorben schien, da alle sich inzwischen auf dem Weg zum Gipfel befanden, holte ich meinen Schlaf nach und wachte erst gegen Nachmittag auf, als die ersten Jugendlichen vom berg zurückkehrten und dies, wie sollte es anders sein, laut grölend verkündeten. Der Rest des Tages war sehr entspannt. Essen, am Lagefeuer entspannen und Karten spielen (bei dem ich mein Geschick zum ständigen siegen einsetzen konnte) standen dabei auf der Tagesordnung. Die nächste Nacht war wieder sehr kalt, jedoch schlief ich sehr gut. Diesmal im Zelt in einen trockenen Schlafsack. Am nächsten Tag brachen wir halb acht zum 18 Km langen Abstieg auf. Der Abstieg glich mehr einer Flucht vor der Gruppe von Jugendlichen um auf einer sicheren Entfernung die Ruhe des Berges zu genießen. Die letzten Kilometer hieß es dann wieder Schlammschlacht. Diesmal jedoch kamen in diesen Abstieg unzählige Maultiere mit Gepäck vom Berg. Man wusste nun nicht mehr vor was man ausweichen sollte. Den Schlammlöchern oder den Maultieren. Ein Maultier meinte es besonders gut mit mir, indem es einen riesen Batzen Schlamm in mein Gesicht und auf meinen noch sauberen Pullover schleuderte. Den Reiter amüsierte es prächtig und zu seinen Glück war er schnell Genug weg, sodass mein Schlammball ihn knapp verfehlte. Angekommen am Startpunkt und mit 46 Km Kilometern in 3 Tagen im Gepäck nahmen wir zuerst ein Bad im milden Gebirgsbach (samt Schuhe, da alles einfach nur dreckig war) bevor wir das uns redlich verdiente Bier schmecken ließen. Meine Schuhe flogen nach der Wanderung in den Müll, meine Erinnerungen an diese Wanderung und meinen schönsten Sonnenaufgang auf dem Gipfel des Pico Duarte werden mir jedoch ewig erhalten bleiben…

Der Wanderweg

Maultier mit Gepäck

Regenbogen nach Regenpause

Kurz vorm Sonnenaufgang

Sonnenaufgang

Zusammen auf dem Gipfel

Blick vom Berg

Haiti

Der Gipfel

Regenbogen als Heiligenschein über unsere Schatten

Maultier mit langem Gesicht

Lagefeuer

Sonnenaufgang übern Zeltlager

Bergstimmung

Ein glücklicher Mathi

Ein bisschen wie in der Sächischen Schweiz

Die Wandertruppe

Mathias Written by:

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