Der Weg zurück – Durch Russland und das Baltikum nach Deutschland

Nun waren wir also in der EU! In Estland hatten wir gleich zwei wunderschöne Übernachtungsplätze. Einmal an einem einsamen Strand an der Ostsee und einmal abgelegen in einem Moor. Schlafen viel uns trotzdem schwer. Es wurde nie richtig dunkel und die schwärme von Moskitos forderten unsere Geduld oft heraus. Die Straßen waren nun in einwandfreien Zustand, der Dieselpreis war hoch und wurde in Euro angezeigt. Ich spürte, dass die Heimat nun ganz nah war.

Erster Schlafplatz zurück in der EU – Ostsee in Estland

 

Es wollte einfach nicht dunkel werden

 

Soomaa Nationalpark in Estland

 

Ein toller Campingplatz im Soomaa Nationalpark. Kostenfrei. Abgelegen. Sogar Feuerholz und Grill an der Feuerstelle. Einzig negativ: Die vielen Mücken

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In Riga besuchten uns noch zwei Freunde für das Wochenende, dann fuhren wir im Eiltempo durch Litauen, bestaunten die schönen Landschaften der polnischen Masuren und legten mit Warschau und Krakau noch zwei kleine Städtetrips ein. Die letzte Nacht verbrachten wir am Fuße der Schneekoppe, keine zweihundert Kilometer von Dresden entfernt. Johannes fragte mich fast jeden der Tage zuvor „Mathi, bist du dir eigentlich bewusst, dass in 7 (bzw. dann immer ein Tag weniger) Tagen deine Weltreise vorbei ist?“ und wartete meine Reaktion ab. Während wir nun durch die schöne Landschaft des Riesengebirges spazierten fragte er mich erneut: „Ist dir eigentlich bewusst, dass morgen um diese Zeit deine Weltreise vorbei ist?“ Natürlich wusste, ja spürte ich es. Auch die ganzen Tage zuvor. Ich gab gekonnt gelassen doch tief in mir drin kämpfte das Traurigsein gegen das Glück. Traurig, dass dieses Leben in absoluter Freiheit bald vorbei sein sollte. Und Glücklich das alles so unglaublich gut geklappt hatte bisher.

Riga

 

Besuch aus der Heimat: Lukas, Johannes und Christoph (links nach rechts)

 

Das letzte mal Ostsee: Wildcampen in Lettland

 

Der Berg der Kreuze in Litauen.

 

Einst ein Denkmal an die sowjetische Besatzung. Heute mit über 400.000 Kreuzen ein weltweit bekannter Pilgerort für Christen

 

Überreste des Führerhauptquartiers, der Wolfsschanze , in Polen

 

Campen in den traumhaften Masuren

 

Mohnfelder und…

 

… unglaublich viele Störche prägten die Landschaft der Masuren

 

Letzter Tag im Ausland. Ein Blick in die Ferne vor der Schneekoppe in Polen

Es dauerte ganze 30 Sekunden, dass wir in Deutschland waren und von der Polizei heraus gewunken wurden. Der aufmerksame Beamte hatte bemerkt, dass mein vorderes Nummernschild kein Siegel mehr hatte. Das Original ist mir ein halbes Jahr zuvor in Indien auf einer holprigen Straße verloren gegangen. Die Straßenkontrolle richtete sich allerdings hauptsächlich gegen nichtregistriert einreisende Flüchtlinge, sodass wir schnell wieder auf freien Fuß waren. Nach 343 Tagen fuhr ich nun wieder auf einer deutschen Autobahn. Nur noch weniger als hundert Kilometer waren es bis Dresden. Dennoch fühlte es sich an, als wäre es ein ganz normaler Tag auf meiner Reise. Angekommen in Dresden ließ ich Johannes vor seiner Haustür raus und wir verabredeten uns für eine Geburtstagsfeier eines gemeinsamen Freundes, die (wie ich später rausfinden sollte) gleichzeitig auch eine Überraschungsfeier für meine Rückkehr war. Ich nahm einen kleinen Umweg zu mir nach Hause und hielt einen knappen Kilometer vorher an. Die Sonne schien an diesem Tag genauso schön, wie am Tag meiner Rückkehr. War ich bereit dazu? Sollte ich nicht vielleicht umdrehen, weiterfahren bis ich einfach die Lust am Reisen verlieren würde? Ich blickte nach rechts. Auf der anderen Seite des Weizenfeldes ragte die schöne große Weide empor, die am Ende unseres Grundstücks steht. Ich atmete tief durch und fuhr los. Die letzten Meter auf dieser unglaublichen Reise.

Ich dachte an soviel und an gar nichts zu gleich. Wie glücklich war ich doch, dass mir fast ausschließlich Gutes wiederfahren war. Das ich (bis das eine kurze mal in Indien) stets gesund geblieben war. Das all meine Mitreisenden ein tolle Zeit hatten und unversehrt wieder in die Heimat zurückgekehrt waren. Das das Auto so super durchgehalten hat. Eigentlich war ich gerade sehr glücklich. Ich fuhr das Auto in die Einfahrt meines Elternhauses. Das Auto meiner Schwester war schon da. Sie wartete wohl bereits drin mit meinen drei Neffen und meinen Eltern auf meine Ankunft. Noch kurz ließ ich den Motor laufen. Der Kilometerzähler zeigte 198.609 in weißen Ziffern und damit 55.859 Kilometer mehr an, als am Tag meiner Abreise.  „Wake up wake up we’re almost home“ von Moby lief im Autoradio und klang langsam aus. Ich zog den Schlüssel und aus dem Zündschloss und plötzlich war mir endgültig klar, dass diese Reise vorbei war. Nun konnte ich meine Emotionen nicht mehr zurückhalten. Dicke Tränen flossen über meine Wangen. Ich war zu Hause.

Zurück zu Hause

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Statistik der Reise nach Indien

Die Reiseroute zurück nach Deutschland

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Mathias Verfasst von:

Ein Kommentar

  1. 7. September 2017
    Antworten

    Hallo Matthias,

    toller Blog! Ich bin gerade auf ihn gestoßen, da ich auch über den Landweg nach Asien möchte. Zwar ist dein beitrag aus 2016 etwas veraltet, aber vieles scheint doch noch schwierig befahrbar oder gar als Reisender ohne eigenes Auto nicht möglich zu sein. Wäre schäde..

    Ich stöbere nun mal ein wenig bei dir rum und vielleicht finde ich ja ein paar Antworten auf meine Fragen. Wenn nicht, könnte ich dir denn schreiben?

    Wenn du dich noch einmal auf den Weg machst; ich bin dabei! 😉

    Schöner Schreibstil übrigens (:

    Liebste Grüße
    Lu ♥

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