Das Schicksal Pakistans

Wir verließen den Karakorum-Highway für einige Tage und bogen in das Skardu-Tal ab. Die Schlucht wurde enger, so auch die Straßen. Manchmal passte nur ein Auto auf die schmale Straße. Ohne Begrenzung ging es einige Meter steil hinunter zur Schlucht, wo der reißende Indus sich seinen Weg zum Arabischen Meer bannte. Es war ein traumhafter Streckenabschnitt. Die Aprikosenbäume begannen zu blühen und ein weiterer Schneegigant lunschte hinter einer Biegung der Straße hervor. „In 20 Kilometern soll ein schönes Seitental kommen. Was haltet ihr davon, wenn wir dort einen Stellplatz für die Nacht suchen?“ fragte Heiner über das Funkgerät. Darüber waren wir verbunden und es ermöglichte uns eine problemlose Kommunikation auf der Fahrt. Es war 16 Uhr, also eine gute Zeit einen Schlafplatz zu suchen. Vor der Dunkelheit wollten wir einen Platz zum Wildcampen gefunden haben, was übrigens in Pakistan überhaupt kein Problem darstellt. Das Tal lag auf der anderen Flussseite. Dazu mussten wir eine Hängebrücke überqueren, die sich mit lauten knarren beim Befahren durchbog. Nichts für schwache Nerven. Anschließend ging es über eine steinige Straße steil bergauf. Allrad war notwendig. In engen Spitzkehren mussten wir zurücksetzen, um die Kurve zu kommen. Fahrfehler konnten auf dieser Straße tödlich enden. Durch ein Problem am Auto von Heiner und Anna wurden wir eine knappe Stunde aufgehalten. Es wurde langsam dunkel. Die Nerven lagen blank. Wie sollten wir hier wieder heil runterkommen? Das schöne Tal lag knapp tausend Höhenmeter weiter oben. Da die Dunkelheit immer näher kam und kein passender Stellplatz auftauchte drehten wir um und übernachteten auf einen kleinen Vorplatz eines nichtbewohnten Bauernhauses mit unglaublichem Ausblick auf das Indus-Tal. Der Umweg hatte sich schon gelohnt!

Pakistanische LKW sind echte Kunstwerke

 

Es war mächtig eng auf der Straße nach Skardu

 

Über diese schmale Hängebrücke ging es auf die anderen Flußseite

 

Dort sprang das Auto von Anna und Heiner plötzlich nicht mehr an. Die hilfsbereiten Dorfbewohner waren sofort zu Stelle

 

Frühling in den Bergen

Über Skardu ging es weiter bis in den hintersten Zipfel Pakistans. Mittlerweile war der Indus blau wie der Himmel. Die Aprikosenbäume blühten in den schönsten Farben. Die schneebedeckten Berge ragten anmutig neben der Straße empor. Es war eine Fahrt wie durch das Paradies. Über eine weitere Hängebrücke verließen wir das Indus Tal. Weiter hätten wir auch nicht fahren dürfen. Wir waren nur wenige Kilometer von der umstrittenen Grenze zu Indien in der Kaschmir-Region entfernt. Der entfernteste Zipfel Pakistans war für uns das Dorf Machulo, Endpunkt von Expeditionen zum zweithöchsten Berg der Welt, den K2. Hier wollten wir eine zweitägige Wanderung starten, um einen Blick auf den K2 zu bekommen. Das Dorf selber ist einer der schönsten Flecken auf Erden. Eingebettet in ein Tal liegt es zwischen Aprikosenhainen. Die Dorfbewohner riefen und winkten uns zu, Kinder rannten neben unseren Autos lachend her. Spätestens jetzt hatte ich Pakistan in mein Herz geschlossen.

Aprikosenhain vor Skardu

 

Beste Mitfahrgelegenheit

 

Die Wäsche wird am blauen Indus gewaschen

 

In Gilgit-Baltistan gab es schon mehr Frauen auf der Straßen zu sehen. Und die packten richtig mit an.

 

Auf Hängebrücken war immer nur ein Auto erlaubt

 

Die Kinder freuten sich besonders uns zu sehen

 

Regeln sind da um gebrochen zu werden 😀

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Reisevorbereitung

Mathias Verfasst von:

4 Kommentare

  1. 9. Mai 2017
    Antworten

    Oh man, Pakistan! Tolles Land, schreckliches Image.
    Deine Bilder sind großartig. Wenn wir das nächste Mal in Pakistan sind, dann vielleicht auch mit dem eigenen Auto und nicht nur mit den Autos der anderen 😀
    Die lästige Polizeieskorte hat sich bis dahin hoffentlich erledigt.

    Bezüglich der Madrasas lohnt es sich auch den Zusammenhang zwischen der Radikalisierung pakistanischer Schüler und der „Hilfsorganisation“ USAID zu hinterfragen. Spannend ist das allemal und mit dem Kopf schütteln kann man auch.

  2. Irene
    18. Juni 2017
    Antworten

    Was für ein unglaublich schöner und eindrucksvoller Trip und fantastische Bilder & Videos. Lässt mein Herz höher schlagen und mein Wunsch, nach Pakistan zu reisen, wird immer dringender. Hab das schon lange im Hinterkopf, aber da Mitreisende zu finden, die sich trauen, war bisher unmöglich.
    Danke dir für deinen wunderschönen Bericht!

  3. Gayatri
    17. Juli 2017
    Antworten

    Lieber Mathias,
    Dank für Deinen Mut, diese Länder zu bereisen!
    In Indien bin ich Motorrad gefahren. Nachdem ich mich an das Chaos gewöhnt hatte, fand ich´s lustig. Aber ohne Mantra geht natürlich nichts…

    Ich suche noch Reisepartner, will mit meinem VW Polo Kombi Richtung Indien.
    Darf ich hier Irene einladen?

    Hey Irene, wahrscheinlich brauchen wir noch einen Mann, um in Pakistan klarzukommen!
    Mitte Oktober bin ich mit meinen Terminen hier durch…

    Türkei, Iran und Pakistan werdn neu für mich sein, ich bin dankbar für jede hilfreiche Info:
    gayatri@gmx.de

    • 7. September 2017
      Antworten

      Hallo,

      steht die Reiseplanung denn nun schon? 😮 Mein Partner und ich planen auch über den Landweg nach Südostasien (vorerst wahrscheinlich aber Indien) zu reisen.

      Liebste Grüße Lu ♥

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