Zurück auf die Seidenstraße – Durch China nach Kirgistan

Geschafft! Das letzte Stück des Karakorum Highways hatten wir auf Pakistanischer Seite hinter uns gelassen. Frische Reifenspuren lagen hinter mir im Schnee. Ohne Sonnenbrille war es dort kaum auszuhalten. Um uns herum war alles weiß und der Schnee reflektierte die helle Sonne. Auf dem letzten Stück zur Grenze musste ich Allrad einschalten. Zu tief war der Schnee. Die Schweden legten sich Schneeketten an, das Motorrad schoben wir zu viert durch den hohen Schnee.

Zum zweiten Mal sollte ich auf dieser Reise China durchqueren. Und mal wieder war das mit hohen Kosten und einer längeren Vorbereitungszeit verbunden. Möchte man China mit dem eigenen Auto durchqueren, so ist ein Guide notwendig, der einen auf der gesamten Reise begleitet. Zudem müssen unzählige Genehmigungen organisiert werden. Allein ist ein China-Transit schwer finanzierbar. 4 Tage von Pakistan nach Kirgistan kosten schnell 2.000 – 2.500 Dollar. Bei meiner ersten China-Durchquerung hatte ich mir eine Reisegruppe von sechs Fahrzeugen zusammengestellt, damit die hohen Kosten geteilt werden können. Und so fanden sich diesmal vier Autos und ein Motorrad zusammen, um ein kleines Stück gemeinsam durch China zufahren. 4 Tage China sollten uns 900 Dollar pro Fahrzeug kosten. Eigentlich unglaublich, dass man für soviel Ärger auch noch Geld bezahlen muss…

Noch bevor wir einen Fuß in China gesetzt hatten, mussten wir schon warten. Warten – ein Zustand, in dem wir uns die meiste Zeit in China befinden würden. Das Grenztor war verschlossen. Mittagspause. Langsam zogen Wolken auf, die nach und nach etwas Schnee zur Erde schickten. Nach einer Stunde konnten wir endlich die Grenze passieren gleich die Uhr um 3 Stunden nach vorne stellen. In China gibt es nur eine Zeitzone: Beijing Time! Und plötzlich war es schon 17 Uhr. Was uns nun bevor stand war pure Machtdemonstration. Einige Kilometer nach der Grenze war der erste chinesische Militärposten. Hier mussten wir solange im Auto warten, bis die Passagiere des vorherigen Fahrzeuges abgefertigt wurden. Verließen wir das Fahrzeug, wurden wir von einem wütenden Soldaten zusammengeschrien. Ein Minibus von Pakistanern hatte sich vorgedrängelt und so warteten wir bis endlich wir an der Reihe waren. Dann wurde das Gepäck durchwühlt, Bilder auf Handys und Laptops angeschaut und plump kommentiert und schließlich das Fahrzeug durch einen Röntgen-Scanner geschickt. Bis endlich die vier Fahrzeuge und das eine Motorrad durch den Checkpoint gekommen waren, waren fünf Stunden vergangen. Das Thermometer zeigte -5°C und es schneite schon seit einiger Zeit. Bei dünner Luft auf ca. 4500m lagen die Nerven in der Gruppe blank. Noch waren es 180 Kilometer bis Tashkurgan, die wir nun im dunklen zurücklegen mussten. Draußen herrschte ein eisiger Schneesturm. Rhan aus Singapur konnte nicht mehr. Er zeigte Anzeichen der Höhenkrankheit und konnte sein Motorrad nicht mehr bewegen. Der Schwede Bert zeigte sich von dem Wetter unbeeindruckt und fuhr das Zweirad sicher bis in die Stadt Tashkurgan, wo wir unseren Guide treffen sollten.

Die China-Transit-Gruppe: Josephine und David aus Holland, Heiner und Anna aus Stuttgart, Catharina und Bert aus Schweden und wir beiden Dresdner (c) Bert aus Schweden. www.dreamtrip.se

Es war halb ein Uhr nachts, als wir in Tashkurgan eintrafen und zunächst unseren Einreisestempel abholten. Unserer Guide war etwas sauer auf uns, da er den halben Tag auf uns warten musste. Doch daran hatten wir nun wirklich keinen Anteil dran. Die Zollabfertigung wurde auf den nächsten Tag verschoben. Auf der Grenzstation wurden wir von einer Ecke zur nächsten geschickt. China zeigte sich von der besten Seite. Das Auto mussten wir am Zoll zurücklassen. Mit dem Taxi ging es nach einen sehr anstrengenden Tag ins Hotel.

Der nächste Tag begann wie der letzte Tag aufgehört hatte. Zunächst liefen wir auf Anraten unseres Guides die drei Kilometer vom Hotel zum Zoll, um dort nach einer weiteren Stunde warten zu erfahren, dass unsere Abfertigungspapiere noch nicht da wären und wir nach der Mittagspause erst wieder kommen könnten. Die Mittagspause in China geht nicht wie überall auf der Welt von 12 – 13:00, nein sie geht von 13:00 – 16:30. Wer zum Teufel macht den 3 ½ Stunden Mittagspause? Nach der Pause mussten wir wieder eine Stunde warten bis die Fahrzeuge gewogen wurden und zum Fahrzeugscanner geschickt wurden. Echt jetzt? Nochmal durch das Gerät? Das mussten wir doch gestern schon. Egal, schnell durch. Doch nach zwei Fahrzeugen ging der Scanner kaputt. Mehrmals mussten wir durchfahren, dann bat uns der Zollchef doch eine Stunde zu warten, damit das Gerät repariert würde. Außerdem sei zudem gerade eine Essenpause angesetzt. Alles demonstrieren nützte nichts. Wieder mussten wir warten. Und um 21:30 fuhren wir endlich vom Zollplatz herunter. Vier Autos und ein Motorrad durch den Fahrzeugscan zu schicken hatte in China also einen Tag gedauert.

Der (defekte) Fahrzeug-Scanner am chinesischen Zoll. (c) Bert aus Schweden. www.dreamtrip.se

 

Orginal-Marken shoppen in China – Alle Klischees erfüllt

 

Die Landschaft zwischen Tashgoran und Kashgar

 

Bestes Wetter um durch die traumhafte Landschaft zu fahren

 

Kamele können gefährlich werden, wenn man ihnen zu nahe kommt. Hier schafft es David aus Holland gerade noch sich in Sicherheit zu bringen (c) Bert aus Schweden. www.dreamtrip.se

 

Yaks grasen vor einem Siebentausender

 

Auf dem Weg nach Kashgar. Im Hintergrund einer der zahlreichen Kameras auf chinesischen Straßen

 

Fahren in Kolonne, wir meistens vorneweg

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Mathias Verfasst von:

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