Die Umrundung des heiligen Berg Kailash

Hellwach liege ich im Bett. Gleich müsste doch der Wecker klingeln?! Wie lange habe ich mich auf diesen Tag gefreut. In vielen Büchern habe ich von diesem heiligen Berg gelesen. Heilig für die Buddhisten, für die Bon, für die Hindus und Anhänger des Jainismus. Für die in Tibet lebenden Buddhisten ist es eine Pflicht, den heiligsten aller heiligen Orte zu besuchen und zu umrunden. Diese Umrundung wird Kora genannt und findet im Uhrzeigersinn statt (Bon-Religion entgegengesetzt).

Nach den heiligen Schriften der Buddhisten und in den hinduistischen Sanskrittexten existiert ein Berg Meru –der Nabel der Welt. Von diesem Berg fließen vier Flüsse in vier verschiedene Himmelsrichtungen. Von diesem Berg wird auch das Hakenkreuzsymbol abgeleitet, welches sich in Tibet an vielen Orten wiederfindet, allerdings wenig mit dem Symbol aus dem Dritten Reich zutun hat (auch spiegelverkehrt). Der Kailash ist der Berg, der in der realen Welt dem Berg Meru am nächsten entspricht. Den in der unmittelbaren Umgebung entspringen die Flüsse Indus, Sutley, Brahmaputra und Karnali. Aus diesem Grund ist der Berg heilig.

Nach so einer langen Vorbereitung des China-Transits und der zugehörigen Kailash-Umrundung ist heute nun der Tag gekommen. Etwas Respekt habe ich vor der Wanderung. Insgesamt 52 Kilometer liegen vor mir. Darchen, der Ausgangspunkt der Umrundung liegt auf 4600 Höhenmeter und stellt den niedrigsten Punkt der Umrundung dar. Um 8:30 schnall ich mir meinen Rucksack auf den Rücken und laufe los. Die anderen haben zu großen Respekt vor der Umrundung und vor allem vor der Höhe, weswegen sie einen Bus nehmen, der ihnen die ersten 6 Kilometer der ersten 21 Kilometer-Etappe erspart. Für mich ist es wichtig die Umrundung vollständig durchzuführen. Auch wenn das Risiko größer ist, es nicht zu schaffen.

Der Start der Pilgerwanderung
Der Start der Pilgerwanderung

Blick in die weiten des tibetischen Hochlandes
Blick in die weiten des tibetischen Hochlandes

Auf den ersten Kilometern sehe ich, was der Berg für eine Bedeutung für die Pilger hat. Einige der Pilger umrunden den Berg, indem sie alle zwei Schritte zunächst die Arme zum Gebet verschränken und sich anschließen auf den Boden legen, eine kreisförmige Bewegung mit den Armen durchführen und anschließen wieder aufstehen. Mit diesen Niederwerfungen legen die Pilger die 52 Kilometer zurück. Dies entspricht 13-mal am Stück den Berg zu umrunden. Denn erst dann kann sich der Gläubige auf den inneren Pilgerweg begeben und den heiligen Berg noch näher kommen.

Ich selber habe den so heiligen Berg noch nicht gesehen. Als wir am Tag zuvor angekommen waren, lag der Berg in dichten Wolken. Diese haben sich bis heute gehalten. Für die ersten sechs Kilometer brauche ich fast 1,5 Stunden. Obwohl es nur leicht bergauf geht, kommt man durch die Höhe sehr langsam voran. Es fehlt an Sauerstoff. Zeitgleich mit mir treffen auch die anderen aus unserer Reisegemeinschaft an der am Pilgerweg gelegenen kleinen Ortschaft ein. Beinah wäre ich vom Weg abgekommen und zu einem Luftbestattungsort gewandert. Für die in Tibet lebenden Buddhisten gilt es als ganz besonders, nach dem Tot luftbestattet zu werden. Hier wird der Körper in kleine Teile zerstückelt. Die Körperteile werden dann zum Luftbestattungsort gebracht, wo Vögel, Hunde und Insekten nichts mehr von dem übrig lassen, was mal ein Mensch war.

Der Luftbestattungsort oben auf den Felsen
Der Luftbestattungsort oben auf den Felsen

Das Kloster Choku am Wegesrand erweckt meine Neugier. Um dahin zugelangen, muss ich zunächst eine kleine Anhöhe überwinden. Die knapp hundert Höhenmeter merke ich an jeder Stelle meines Körpers. Mein Mund schnappt nach Luft, die Kehle ist trocken. Doch die Anstrengung hat sich gelohnt. Das Kloster liegt wunderschön am Berghang und auf dem Pilgerweg schlängelt sich eine Ameisenstraße aus Pilgern das Tal hinauf. Auch dieses Kloster wird von Pilgern umrundet. Ich schleiche mich an den Pilgern vorbei und gehe in das Kloster. Es riecht nach Räucherstäbchen. Der Raum ist bunt geschmückt und liegt in einen sanften Rauch. An den Wänden sind alter Malereien zu erkennen, in der Mitte des Raumes steht ein Schrein mit Buddha-Figuren. Ein Mönch bläst in ein Horn. Eine mystische Atmosphäre füllt den Raum. Eine Gänsehaut überzieht mich.

Das schöne Erlebnis lasse ich wenig später mit einen süßen Tee mit Yakmilch auf mich einwirken. Als ich mich kurze Zeit später auf den Weg zurück zum Pilgerpfad begebe, zieht sich der Himmel auf und gibt ein Stück des Kailash frei. Hmm da hinten ist ein perfekter Ort für ein Foto, nur hockt da gerade eine alte Frau. Als sie gegangen ist, musste ich feststellen, dass sie gerade ihr Geschäft verrichtet hat, denn ein frischer Haufen dampft noch am Wegesrand, als ich mich zum Fotostandpunkt begab.

Das Kloster Choku. Im Hintergrund ziehen langsam die Wolken vom Kailash
Das Kloster Choku. Im Hintergrund ziehen langsam die Wolken vom Kailash

Gebetsfahnen säumen den Weg
Gebetsfahnen säumen den Weg

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Reisevorbereitung

Mathias Verfasst von:

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