Couchsurfing im Iran

Bevor ich meine Erfahrungen hier teile möchte ich darauf hinweisen, dass die ich Namen der Menschen die ich hier im Iran auf Couchsurfing getroffen habe, geändert habe. Es ist Iranern untersagt zu engen Kontakt zu Ausländern zu pflegen oder Ausländer bei sich aufzunehmen. Bei Missachtung können schwere Strafen folgen. Wie so oft im Iran werden Wege gefunden, wie man diese Regeln umgehen kann. Und da in der Couchsurfing-Community (öffentlich) keine politischen Diskussionen geführt werden, ist dieser Dienst auch nicht wie Facebook, Twitter oder die New York Times blockiert.

Reza

Reza haben wir in Tehran auf ein Couchsurfing-Meeting kennengelernt. Er hat uns direkt angesprochen und erzählt was es alles in der Stadt zu sehen gibt. So hat er uns gleich eingeladen kurze Zeit später eine öffentliche Theateraufführung in der Nähe anzuschauen. Reza ist ein sehr gesprächiger Junger Mann, 29 mit einem gepflegten Äußeren. Er arbeitet für ein iranisches Telekommunikationsunternehmen und hat gerade Feierabend. Und diesen verbringt er am liebsten mit Ausländern und Reisenden. Schon kurz nach der Theateraufführung sind einige junge Iraner um uns herum und erkundigen sich nach unseren Land und schimpfen über ihr eigenes. „Die Situation im Iran wird sich sehr bald ändern. Immer weniger junge Iraner sind religiös“ meint einer im Heavy-Metal-Look. „Du kannst nicht nur die Menschen um dich herum betrachten. Es sind wohl noch sehr viele junge Menschen religiös. Wenn es eine Veränderung gibt, dann nur sehr langsam“ reagiert ein anderer, stets strahlender Iraner. Für uns ist es sehr spannend diese Diskussionen zu verfolgen und wir fragen uns in welche Richtung sich wohl das Land entwickeln wird.

Zwei Tage später treffen wir Reza im 250km entfernten Kashan erneut. Es ist Donnerstagabend und somit Wochenende. Im Iran ist der Donnerstag unserer Samstag und der Freitag unserer Sonntag. Donnerstag müssen einige arbeiten gehen, wohingegen der Freitag arbeitsfrei ist. Da Reza noch arbeiten musste und wir bereits am morgen aus Tehran gestartet sind, ist er uns hinterher gereist. Während wir uns im Kashan ein Hostel gesuchten hatten (Die letzten zwei Nächte auf der Couch in Tehran waren nicht so sonderlich gemütlich), hatte sich Reza einen Couchsurfer gesucht, der uns auch gleich mit aufnehmen wollte. Dieser ist dabei einen alten persischen Garten in der Wüste wieder aufzubauen und nimmt Couchsurfer im fertiggestellten Teil seiner Gartenanlage auf. Da der Ort etwas außerhalb von Kashan liegt, kommt sogleich ein anderer Couchsurfer aus dem Dorf mit seinem Auto nach Kashan, um Reza abzuholen. Wir verabreden uns für den nächsten morgen um gemeinsam in die Wüste zu fahren. Noch wissen wir nicht, welch ereignisreicher Tag uns erwarten sollte.

 

Inside the market of Kashan
Im Inneren des Bazars in Kashan

Für unsere Wüstentour sammeln wir noch Hossein ein. Hossein ist der Couchsurfer, der Reza am Tag vorher aus Kashan abgeholt hatte. Er ist auch Touristenführer und weiß sehr viel über die Region. Und so fahren wir zu fünft im Auto tief in die Wüste. Hossein zeigt uns einen Weg, wo wir am Nationalparkposten vorbeikommen und somit den Eintritt sparen. Auf sandigen Wüstenstraßen schlittern wir zu einer alten Karawanserei. Karawansereien waren in Zeiten der berühmten Seidenstraße Orte in denen Handelskarawanen auf ihrer Reise rast einlegten, schliefen, ihre Kamele mit Futter versorgten und auch den einen oder anderen Handel abschlossen. Auch die offenen Innenhöfe in den Bazaren werden Karawansereien genannt, da hier die Tiere und Tierführer rasteten, wären die Händler die Waren auf dem Markt feilboten. Auf dem Weg kamen uns schon frei laufenden Dromedare entgegen.

Offroad in the desert
Offroad in der Wüste

10 KM nach der Karawanserei liegt eine sehr große Sanddünenlandschaft. Da ich das Auto gleich erstmal im Sand festgefahren hatte, beschlossen wir die höchste Sanddüne zu besteigen und hatten einen unglaublichen Blick über die Wüsten- und Dünenlandschaft.

View from the sand dunes
Blick von den Sanddünen

Wenig später führen wir dann auf einer Stichstraße über den angrenzten Salzsee, der in den Sommermonaten trockenliegt. In der Mitte des Sees fanden wir einen halb ausgebrannten LKW vor, der die Nacht davor Feuer gefangen hatte. Der Fahrer konnte sich retten und warte nun im Schatten seines versehrten Anhängers in Mitten der Wüste auf Hilfe. Das war wohl nicht sein Tag…

The salt lake
Der Salzsee

 

Burned truck
Ausgebrannter LKW

Wir fuhren weiter nach Abyaneh, einen als malerisch beschriebenen Ort in den Bergen auf dem Weg nach Isfahan. 20 KM vor unserem Ziel passierten wir ein mit Flugabwehrstationen gesichertes Gelände. Eine der Gründe warum Iran lange Zeit von der Weltwirtschaft isoliert und mit vielen Sanktionen bestraft wurde: Die Urananreicherungsanlage bei Natanz, die komplett unterirdisch gelegen ist.

The village of Abyaneh
Das Dorf Abyaneh

In Abyaneh stellten wir das Auto ab und erkundeten das Dorf. Dort zeigte uns Reza ein bekanntes traditionelles Iranischen Essen: Dizi. Eine Schmorfleischsuppe serviert im Tontopf. Mit gefüllten Magen ging es zurück zum Auto und dort drehte sich selbiger fast um. Das Auto war aufgebrochen. Unsere drei Tagesrucksäcke fehlten. Während in meinem Rucksack nur Waschtasche und Reiseführer einen echten Verlust darstellten, mussten Konrad und Ben beide den Verlust von jeweils 400$ beklagen. Da im Iran wegen der Sanktionen keine internationalen Kreditkarten angenommen werden, waren wir auf Bargeld angewiesen. Dieses war nun zusammen mit den Rucksäcken weg. Noch viel schlimmer hat es Ben getroffen. Dieses eine mal hatte er seinen Reisepass im Rucksack. Der war nun verschwunden.

Dizi
Dizi

Reza stellte sich in der Folgezeit als Glücksfall heraus. Er dolmetschte zwischen Polizei und uns. Zunächst fuhren wir zur regionalen Polizeistation und nahmen alles sehr detailliert auf. Den Polizisten war es sehr unangenehm was uns wiederfahren ist. Es sei wohl das erste Mal in dieser Region und wohlmöglich ist uns jemand gefolgt. Es wurde uns Tee und Kaffee angeboten. Nach mehr als 2 Stunden auf dem Revier war alles erledigt. Haben wir gedacht. Denn für den nächsten Tag mussten wir den Fall erneut schildern und zwar bei der Kriminalpolizei im 15 Kilometer entfernten Natanz. Dort sicherte der Polizeichef persönlich einen kostenlosen Schlafplatz im Hotel. Das Auto konnte ich direkt vor der Polizeiwache abstellen. Am nächsten Tag das gleiche Spiel. Alles nochmal zu Protokoll geben, Reza übersetzte fleißig. Danach mussten wir sogar noch beim iranischen „FBI“ antanzen. In der Stadt ließ ich das aufgebrochene Schloss reparieren und wir verabschiedeten uns von Ben und Reza, die nun nach Tehran fahren mussten. Reza musste zurück zur Arbeit, Ben musste zur Botschaft.

Repairing the lock of the car
Das Schloss wird wieder repariert

Konrad und ich fuhren weiter nach Isfahan und buchten bei Turkisch Airlines den Rückflug von Ben um. Denn das Timing war perfekt: Zwei Tage vor geplanten Rückflug geht der Reisepass verloren. In Isfahan konnten wir bei einem Freund von Reza übernachten. Er zeigte uns jeden Tag nach seinem Feierabend die Stadt. Hier verabschiedete ich mich von Konrad und zwei Tage später als geplant von Ben, der nun einen vorläufigen Reisepass aus Teheran organisieren konnte. Von nun an sollte ich eine Woche allein unterwegs sein, was ich natürlich nicht war.

Isfahan
Isfahan

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Mathias Verfasst von:

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